Der Sonntagsspaziergang

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„So liebe Kinder. Wir gehen noch ein bisschen nach draussen, das tut uns allen gut.
Zieht euch an, für den SONNTAGSSPAZIERGANG!“

(Es geht hier jetzt nicht um supertolle Ausflüge in Europaparks oder auf Berggipfel, in Erlebnisbäder oder Kletterparks. Sondern um diese kurzen, eher spontanen „wir-gehen-kurz-ein-bisschen-zusammen-raus-weil-doch-schönes-Wetter-und-Sonntag-ist“-Aktivitäten.)

Sind die Kinderlein noch klein, dann hört man nach diesem Satz fast immer ein:
„Juhuuhh! Darf ich meinen Plüschhund mitnehmen und meinen Puppenwagen und den Traktor und gehen wir noch die Enten füttern?“

Sind die Kinderlein etwas grösser, dann hört man nach diesem Satz fast immer ein:
„Muss das sein? Aber dann will ich noch einen Kuchen essen gehen.“

Sind die Kinderlein in der Vor- oder der Pubertät, dann hört man nach diesem Satz fast immer:
„Waaas? Spazieren gehen? Nö du, da hab ich überhaupt keinen Bock. Ich will zu Hause ein bisschen chillen. Wie lange geht denn dieser Spaziergang? Ui, also wie? Eine Dreiviertelstunde? Sooo lange? Also nein, das könnt ihr euch abschminken und alleine gehen.“
So.


Und dann fängt der sonntägliche „Wie-überzeugen-wir-die-Kinder-zum-Familienausflug?“ Kampf an.

Folgende Möglichkeiten werden gerne ausgewählt.

1. Drohungen
„Wenn ihr nicht mitkommt, dann dürft ihr aber heute weder gamen noch glotzen. Wer nicht an der frischen Luft war, für den gilt Game- und Glotz-Verbot.“

2. An die Vernunft appellieren
„Schaut mal wie schön die Sonne scheint.“
„Morgen ist dann wieder Regen angesagt und frische Luft tut euch beiden gut. Ihr seid noch im Wachstum. Ausserdem ist frische Luft gut für die Haut.“
„Ach, das bisschen Regen. Das stärkt das Immunsystem und härtet ab.“

3. Lügen
„Nein, wir machen nur einen Mini-Spaziergang. Wirklich nur so ein bisschen ums Haus, ganz mini-mini, üüüberhaupt nicht weit.“
„Wir werden unterwegs vielleicht noch x oder y treffen.“
„Wenn ihr mitkommt, dann dürft ihr dafür nächstes und übernächstes Wochenende zu Hause bleiben.“
„Wir sind früher immer gerne mit unseren Eltern spazieren gegangen, als wir so alt waren wir ihr jetzt.“
„Alle anderen Kinder gehen auch gerne mit ihren Eltern am Sonntag spazieren.“
„Ein bisschen Spazieren gehen ist sehr gut für die Knochen und fürs Wachstum und wer viel an der frischen Luft ist, hat auch weniger Pickel.“

4. Unmögliche Dinge versprechen
„Wenn ihr mitkommt, dann dürft ihr nachher einen ganzen Kübel Glacé essen, müsst ihr nachher eure Zimmer nicht aufräumen, dürft ihr bis zum Abendessen TV schauen.“

5. Ausflippen
„Es reicht mir echt mit euch! Jeden Sonntag das gleiche Theater. Das ist doch toll, wenn wir zusammen etwas unternehmen und ein bisschen raus an die frische Luft gehen. Ihr könnt noch oft genug in euren Zimmern hocken. Ihr seid einfach verwöhnt und undankbar. Alle Anderen benehmen sich nicht so daneben wie ihr!“

Ja und dann irgend wann mal ergeben sich die Teenies dann halt unserem Redeschwall und sie ziehen motzend und jaulend ihre Schuhe an. Mit bösem Blick, fauchend und totaaal gelangweilt, zotteln sie dann hinter den Eltern her.
Alle 2 Minuten hört man dann einen anderen netten Satz, wie zum Beispiel:
„So, sind wir endlich da?“
„War’s das jetzt mit diesem Spaziergang?“
„Und seid ihr nun zufrieden?“
„Können wir umdrehen?“
„Und, was soll das jetzt bringen?“
„Ich mache extra langsam, IHR wolltet ja dass wir mitkommen.“
„Hier stinkt’s nach Hundekacke“

Und während ihr unterwegs seid, denkt ihr euch ständig: „Oh Gott! Warum haben wir wieder darauf beharrt? Warum sind sie bloss mitgekommen? “
Gute Frage eigentlich. :-)

Deshalb, folgende Tipps:

1. Sich zurückerinnern
Wie war das damals bei mir? Bin ICH immer gerne mit den Eltern spazieren gegangen? ;-)

2. Gut vorausplanen
Vorher mit den Kindern kurz zusammen sitzen und ein paar Dinge besprechen: „Was machen wir am Sonntag/heute? Wohin, wie lange, wer kommt mit?“

3. Kids miteinbeziehen
Sie sollen nicht immer nur motzen und nörgeln, sondern selber Vorschläge machen. Was finden sie toll? Welche kleinen Aktivitäten könnte man mit der ganzen Familie machen? Manchmal ist es auch nötig Kompromisse zu finden. Die Kinder machen nur die „kleine Runde“ und dürfen dann nach Hause, die Eltern machen den längeren Weg, usw.

4. Joker einführen
Gerade bei etwas älteren Kids empfiehlt es sich, ein gewisses Verständnis fürs „chillen“ und fürs „zu Hause bleiben“ zu haben. Während der Woche haben sie oft so viel Programm, viele Verpflichtungen, dass es auch mal ok ist, an einem Sonntag einfach nur zu Hause rumzuhängen. Ihr könnt z.B Spaziergangs-Joker einführen, den jedes Kind 1 oder 2 Mal im Monat einlösen kann.
Das heisst: Das Kind wird für diesen Sonntag vom nervigen Sonntagsspaziergang befreit.

5. Weniger ist mehr
Je weniger man auf diesen Spaziergängen und sonntäglichen Aktivitäten beharrt, umso eher haben die Kids auch wieder Lust mitzukommen. Sagt ihnen zum Beispiel auch mal, dass es kein Zwang ist, dass ihr euch aber freuen würdet, wenn sie mitkommen.