Wenn ich schlafen gehe…

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Dienstag Abend 22.30 Uhr. (Es könnte auch gut Montag, Mittwoch, Donnerstag oder Freitag sein).
Ein Blick aufs iPhönchen und Frau denkt sich: „Huch. 22.30? Direkt noch früh. Wenn ich jetzt ins Bett gehen würde, dann wäre ich mal endlich vor Mitternacht am pennen. Ich wäre am Morgen topfit, könnte Bäume ausreissen, wäre super gut gelaunt, würde am morgen ganz viel reden und gesund wäre es auch noch dieses „vor Mitternacht ins Bett gehen“.
Und dann macht sich die Frau auf, dieses unglaubliche Vorhaben in die Tat umzusetzen.
Nur leider stehen wie immer ein paar wichtige Dinge im Weg und das zu Bett gehen gestaltet sich auch wie immer, schwieriger als erwartet, denn es gibt vorher noch viiiel zu tun.
Hier der Bericht meiner langen Pilgerreise:

1. 3% Akku.
Noch schnell das Handy laden, sonst kann man zum Zähne putzen gar nicht auf dem Elternplanetchen surfen und Serien glotzen.

2. Die Abwaschmaschine
Sie blinkt. Und was gibt es Schlimmeres als am morgen früh, halb verpennt, das Ding auszuräumen? Also noch schnell das Geschirr versorgen und dann aber ab ins Bett.

3. Sporttasche
Liegt noch beim Eingang herum und man kann am nächsten Tag den Kindern schlecht sagen, sie sollen jetzt „bitte, endlich mal ihr Zeugs wegräumen, das ist wirklich total mühsam, wenn immer alles herum liegt“, wenn die eigenen Sachen nicht weggeräumt sind. Also. Schnell in den Keller und dabei merken:

4. Nasse Sporthose
Ups. Die Hose von Tochter A liegt noch in der Maschine. „Ja mein Schatz, die Hose ist locker bis am Freitag gewaschen und getrocknet, versprochen.“ Das heisst: Zuerst schnell den Wäschetrockner ausräumen und dann die nassen Klamotten in den Trockner schmeissen. Vorher aber noch das Flusensieb reinigen. Ui, da hat’s wieder so viel Fuselzeugs drin, dass man fast ein Plüschtier damit stopfen könnte…

5. Totales Chaos im Keller
Fällt einem meistens nur am Abend auf und das nervt voll. Schnell das Gröbste ein bisschen zusammen räumen, die leeren PET- und Glasflaschen auf 5 Papiersäcke verteilen und diese nach oben schleppen, damit „man“ sie dann auch endlich mal wieder zum Container bringt.

6. Hunger
Nach dieser Anstrengung knurrt der Magen. „Nein, ein Brot ess ich jetzt nicht mehr. Lieber was Gesundes. Einen kleinen Apfel und eine Banane müssen reichen. Vielleicht noch eine warme Ovo. Och und auch noch ein bisschen Schoggi. Ist ja gesund und senkt das Herzinfarkt-Risiko“.
Blick auf die Uhr: „Oh Gott, schon halb 12. Aber ich kann es noch schaffen. Eine halbe Stunde, das sollte reichen.“

7. Kühlschrank
„Also das oberste Tablar muss echt noch rasch geputzt werden. Das geht so nicht.“ Tablar raus, ein bisschen schrubben, dann noch das Gemüse ordnen, die Schränke ein bisschen abstauben, den Müllsack zusammenbinden, die Zeitungen in den Papiersack stecken, den Dampfabzug reinigen. *wasmanhaltumkurzvorMitternachtsomacht

8. Zähneputzen
23:59.
„Ok, es reicht nicht. Guter Vorsatz mal wieder gebrochen. Aber um halb 1 lieg ich im Bett. Ich schwöre“.
Meine Oral-B zeigt mir an, dass ich unbedingt mal wieder die Bürste wechseln sollte und das mach ich auch, dauert ja nur ein paar Minütchen. Dann finde ich noch einen nassen Badeanzug von den Kids in einem Säcklein, 37 Haargummis, dann noch kurz noch den Wasserhahn polieren. Natürlich hat’s kein WC Papier mehr, auch nicht im Schrank. Deshalb trotte ich wieder in den Keller, räume noch rasch meine Sportsachen auf und starte dann endlich mein Zähneputz-Ritual, nämlich: Schnell auf der Elternplanet FB Seite vorbei schauen, dann Netflix einschalten und ein bisschen „Suits“ gucken.

9. Gesichtspflege
Uh, das dauert auch immer ein Weilchen. Dieses Waschen mit Gesichtsbürstchen, dann noch schnell eine Gesichtsmaske auftragen und noch ein bisschen Augenbrauen zupfen, eincrémen. Nachher noch den Badezimmerteppich ausschütteln, den kleinen Papierkorb unter dem Waschbecken leeren, den Spiegel putzen und dann auf dem Klo noch gemütlich meine Anwaltsserie fertig gucken.
Weil: Jetzt spielt es EH keine Rolle mehr. Es ist wie JEDEN Abend: wieder einmal viel zu spät.

10. Sich auf den Weg machen
Endlich. Wurde auch Zeit. Auf dem Weg nach oben, noch Kinderzeugs wegräumen, das Waschbecken putzen, die Zahnspange vom Töchterlein ins Wasser legen, die Wäsche in den Schrank räumen, barfuss auf der Terrasse noch rasch den Sonnenschirm schliessen, die Sitzkissen rein holen und dann ins Bett sinken. Noch einmal rasch auf dem Elternplanetchen vorbei schauen, noch einmal die Anwälte anklicken (weil die letzte Folge sooo spannend war), dann zum Schluss noch die 5 Weckzeiten einschalten und denken:
„Uaaah. Waaas! Schon wieder soooo spät!
Morgen geh ich früher ins Bett.
Ich schwöre.“