Ich schenke, du schenkst, wir schenken, sie schenken, alle schenken

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Vielleicht ist es euch auch schon mal so ergangen:
Da wollt ihr eurem Kindlein etwas Kleines schenken, weil grad Vollmond ist oder Freitag oder weil es zum ersten Mal irgend etwas Tolles gemacht hat. Weil es ohne Stützräder Fahrrad fahren oder auf einem Bein balancieren kann oder weil es beim Zahnarzt ohne Geschrei den Mund geöffnet hat.
Ihr nehmt das liebevoll eingepackte Geschenklein hervor, das Kind reisst das Papier auf, und dann kommt nicht etwa ein:
„Oh danke, herzallerliebste Mama, vielen Dank ich freu mich so, danke für dieses tolle Geschenk“ sondern ein:
„Ich hätte lieber das blaue gehabt. Warum hast du mir nur das kleine Auto gekauft? Ich will aber lieber das Little Pony mit dem hellgelben Haar.“
ZACK!
Und ihr sitzt da und denkt:

„Hä, was läuft hier?
Welch undankbares Kind.
Wie konnte es soweit kommen?
Ist es vielleicht zu verwöhnt?
Bekommt es einfach zu viele Geschenke?“

Versteht mich nicht falsch.
Ich finde Leute beschenken toll, ganz besonders Kinder und am Liebsten beschenke ich meine eigenen. Wenn sie mit ihren Fingern ganz ungeduldig am Papier herumreissen und quietschen und in die Hände klatschen ist das ganz toll. Noch besser ist es natürlich, wenn sie sich über das Geschenk dann auch wirklich freuen.
Aber können sie das wirklich noch?

Schenken wir unserem Nachwuchs vielleicht nicht einfach zu oft und zu viel Zeugs?

Kaum liegt das Kind auf der Säuglingsstation geht’s mit der Schenkerei auch schon los.
Dann kommen Tauf- und Geburtstagsgeschenke, es gibt ein Like-A-Bike für den ersten Schritt, einen Bagger fürs erste Pipi ins Töpfchen, drei Schlümpfe fürs alleine Einschlafen, einen Zauberstab für den Kindergartenstart, 3 Kilo Süssigkeiten für Halloween, dann einen übervollen Nikolausstiefel dazu eine Farbschachtel und einen Kleidergutschein.

Es gibt Weihnachtsgeschenke und Geschenke zum Schulstart, meist diese Riesentüten, es gibt Geschenke zum Schulschluss, wenn der Nuggi entsorgt wurde, für gute Noten und Zeugnisse, für Fussballtore.
Geschenke zwischen den offiziellen Feiertagen fürs Zimmer aufräumen, fürs „einfach so ein liebes Kind sein“. Geschenke wenn Besuch kommt, ein Geschenk für den grossen Bruder wenn der kleine Bruder Geburtstag hat, Geschenke im Supermarkt, im „glücklichen Menü“ des Fastfood-Restaurants.

Dann gibt’s 24 Geschenke im Adventskalender, ein volles Osternest mit Schoggihasen, Talern, mit Gutscheinen und Plüschtieren.
Geschenke für bestandene Schwimmprüfungen und die Zahnfee legt auch noch bei jedem ausgerissenen Zahn ein bisschen Kohle oder eine Kiste Playmobil unters Kopfkissen.
Uff.

Ja, ich hab natürlich ein bisschen übertrieben und das auch etwas „überspitzt“ dargestellt. Ganz so viele Geschenke sind es dann doch nicht.
Aber wenn man sich mal so ein bisschen darauf achtet, dann sind es eben doch recht viele.

Verzweifelte Mamis und Papis posten deshalb auch regelmässig ihre Hilferufe nach Geschenkideen in allen möglichen Foren und sozialen Netzwerken:

Hilfe, was bringt die Zahnfee euren Kindern denn so?
Was packt ihr denn in den Nikolausstiefel?
Was soll ich meiner 4-Jährigen schenken?
Keine Ahnung was ich in den Adventskalender packen soll.
Was schenkt ihr euren Kindern zu Ostern?

Geschenke, Geschenke für alle Lebenslagen

Und vielleicht eben manchmal auch ein bisschen zu viel des Guten. Und wer so viel Geschenke bekommt, der kann sich manchmal gar nicht mehr so richtig freuen oder hat immer was zu kritisieren oder hat mehr Freude am Geschenkpapier als am Geschenk.

Habt ihr mal gezählt an wie vielen Tagen, bei wie vielen Gelegenheiten eure Kids Geschenke bekommen? Kleinere, grössere, ganz grosse oder Geld?
Fällt das nur mir auf?
Täusche ich mich vielleicht oder wird tatsächlich so viel geschenkt?

Wie kommt das?
Schleicht sich das einfach so ein?
Passiert das, weil das andere Eltern ja auch so machen?
Braucht es für JEDEN verlorenen Zahl wirklich ein Geldstück oder Farbstifte?
Warum nicht einfach nur etwas Kleines beim allerersten Zahn?
*deristjaschonetwasspeziell

Reichen ein paar Nüsse und ein bisschen Schoggi am Nikolaustag nicht auch?
Muss man jedes Mal den Kindern vom Besuch noch etwas Süsses mitbringen?
Wie kann man diesen Geschenke-Reigen wieder etwas stoppen?

Fragen über Fragen.
Ich habe noch nicht alle Antworten dazu gefunden.

Ihr vielleicht?

 

  • Rebekka

    Hm, ja, ich habe mir auch schon solche Gedanke gemacht und auch nicht zu allen Fragen eine Antwort gefunden.
    Gerade zum Beispiel habe ich überlegt, ob ich meiner Grossen zum Kindergartenstart ein kleines Lego-Set schenken soll. Sie spielt sehr gerne mit den Legos und würde sich garantiert darüber freuen, und ich würde es ihr auch wirklich gerne schenken. Aber ich hatte mich auch schon mal über die Riesenflut an Geschenken zu Weihnachten aufgeregt und mich gefragt, ob Weniger nicht doch Mehr wäre (und das dann den Grosseltern beizubringen, gar nicht so einfach). Von daher habe ich dann ganz schnell wieder Abstand von diesen Geschenke-Gedanken genommen ;-)

  • Nima Ofner

    ja das kenn ich auch und finde es auf die eine seite schön dass meine prinzessin so verwöhnt wird und mami will dann ja auch mal was ganz herziges oder nur was kleines usw schenken. und schlussendlich ist es einfach viel zu viel des guten und würde das sehr gerne runterschrauben. genauso wie beim natel spielen und youtube kinderlieder kuken glaube ich nämlich dass ich meinem kind damit nichts gutes tue und ihr die chance nehme fantasievoller und erfinderischer zu werden

  • Barbara Kurt-Vögtlin

    Das spricht mir aus dem Herzen!!! Ich habe jeweils als Kind an Weihnachten geweint, wenn ich all die Geschenke vor mir aufgetürmt gesehen habe und mich kein klitzeleines Bisschen glücklicher gefühlt habe. Jetzt bekomme ich jeweils fast Zustände, wenn meine Kinder an Ostern 15 Osterhasen bekommen….Und dann erst beim Aufräumen mit all den kleinen Mitbringsel oder Kindergeschenken in Verkaufsgeschäften, hundert kleinen Farbstifchen, Blöckchen, Trinkflaschen, Turnsäcklis, Plüschtierchen usw.. Die Werbegeschenke finde ich fast eben so ätzend. Aber ich habe auch keine Lösung gefunden. Erleichternd ist, dass sich unser Sohn nur für LEGO interessiert. So ist das Zimmer wenigstens nur mit einer Sorte Spielsachen „ausgelegt“.