„Nein, nein, nein. Das darfst du nicht!“

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Stellt euch mal Folgendes vor:
Ihr steht an der Einkaufskasse und sagt zur Verkäuferin:
„Könnte ich bitte noch eine kleine Plastiktüte haben?“
Und was tut sie? Sie sagt einfach:
„Nein!“
Ganz ehrlich?
Was würdet ihr machen und denken?
Schimpfen, böse gucken, sie anmotzen?
Oder sie fragen, warum sie euch keine Tüte geben will?
Vielleicht schmollen und sagen:
„Also hier kaufe ich bestimmt nie mehr ein.“

Vielleicht war das „Nein“ gerechtfertigt, weil sie keine Tüten mehr hat oder weil sie die Weisung hat, keine mehr abzugeben. Vielleicht war sie aber auch grad im Stress und hatte keine Zeit oder auch keine Lust.
Wir wissen es nicht, sie hat es nicht erklärt und uns auch keine Alternative angeboten, denn sie sagt einfach nur: „Nein!“

Oder diese Situation:
Ihr habt euch überlegt, dass es doch toll wäre, am nächsten Tag mit eurem Partner ins Einkaufszentrum mit den gelben Buchstaben zu fahren. Ihr malt euch das schon so schön aus, und sagt eurem Herzallerliebsten dann am Abend vorher:
„Du, kommst du mit? Ich hätte Lust morgen ins Einkaufszentrum mit den gelben Buchstaben zu fahren?“
Und was tut er?
Er sagt einfach:
„Nein!“
Vielleicht auch:
„Nein, keine Lust!“ Oder: „Nein, was willst du schon wieder dort, Kerzen haben wir doch noch genug.“
Aber es ist ein „Nein.“
Und was löst dieses „Nein!“ bei euch aus?
In den meisten Fällen ist es Wut, Ärger, Frust, Enttäuschung.

Genau so geht es unseren Kids wenn wir auf Fragen oder Vorschläge einfach nur mit „Nein“ antworten.
Denn ein „Nein“ erzeugt immer Wut, Ärger, Frust und Enttäuschung.
Wir Erwachsenen können diese Gefühle meistens noch recht gut verbergen, die Kids lassen sie dann einfach raus: Sie schreien, toben, fluchen, werfen sich auf den Boden, hüpfen, stampfen, kriegen rote Köpfe und sind ausser Rand und Band.

Wie können wir Wut- und Trotzanfälle nach einem „Nein“ verhindern?

1. Gut Vorausplanen
Sagt euren Kids immer früh genug, wohin ihr geht, was grad ansteht, was sie tun sollen, was ihr von ihnen erwartet.
(Kann man auch gut bei Ehepartnern, Freundinnen, Nachbarn usw. anwenden).
Wenn Kinder wissen, was als Nächstes kommt, welche Dinge sie tun dürfen und wo, dann ist die Chance, dass sie einen Trotzanfall bekommen, viel viel geringer.
„Laut denken“ ist das Motto. Die Kinder nicht mit euren Anweisungen überraschen, sondern eben vorher sagen was Sache ist.

2. Alternativen anbieten
Habt ihr das Vorausplanen einmal vergessen oder gibt es eine Situation, die ihr jetzt nicht so toll findet und den Kindern eigentlich „verbieten“ solltet, dann überlegt euch vorher immer zuerst:
Warum? Warum muss ich das verbieten? Ist das lebensgefährlich, streng verboten?
In vielen Fällen merkt man dann: „Ok, sooo schlimm ist das jetzt doch nicht“ und man muss es nicht verbieten, man muss gar nix sagen.
Wenn doch:
Versucht wenn immer möglich eine Alternative anzubieten. Also nicht einfach nur antworten:
„Nein, das darfst du nicht!“, sondern lieber:
„Nicht hier, aber dafür da.“
„Wenn du mit dem Wasser spielen willst, dann darfst du das draussen auf dem Rasen tun.“
„Ich möchte, dass du vom Sofa runter kommst, ich lege dir hier im Wohnzimmer eine grosse Matratze auf den Boden. Dort darfst du hüpfen.“

3. Gut verkaufen
Ihr habt Recht. Nicht jede Alternative kann mit der Original-Idee der Kids mithalten. Auf dem Sofa hüpfen ist vielleicht auf den ersten Blick viel cooler, als auf der öden Matratze am Boden. Hier kommt ihr jetzt aber wieder ins Spiel.
Wenn ihr Alternativen anbietet, dann versucht sie so gut wie möglich zu „verkaufen“. Die Kinder sollen das Gefühl haben, dass die Alternativen eigentlich noch viiieeel besser sind, als ihre Idee. Versteht ihr was ich meine?
„Gut verkaufen“ heisst:
Die Kinder für die Alternative begeistern, mit der Stimmlage- und Farbe variieren. Manchmal hilft flüstern oder singen oder mit einer lustigen Stimme sprechen. Manchmal kann man den Kindern auch noch einen kleinen „Bonus“ anbieten.
„Ich möchte, dass du vom Sofa runter kommst, ich lege dir hier im Wohnzimmer eine grosse Matratze auf den Boden. Dort darfst du hüpfen und dazu darfst du noch deinen Lieblingssong laut abspielen.“

Gibt’s trotz allem einen Trotzanfall:
Ruhig bleiben, nicht schimpfen.
Lieber dem Kind zu verstehen geben, dass man seinen Ärger ein bisschen nachvollziehen kann:
„Ich kann gut verstehen, dass dich das jetzt ärgert. Schau ich kann dir folgenden Vorschlag machen.“ Oder:
„Ich kann gut verstehen, dass dich das ärgert, wir können gerne zusammen schauen, ob es vielleicht eine Alternative gibt.“

Soll ich jetzt nie mehr „NEIN sagen?

Es geht nicht darum, dass man nie „Nein“ sagen darf.
Kinder müssen lernen, dass nicht immer alles so läuft, wie sie sich das vielleicht vorstellen oder wünschen. Es geht darum, WIE man „Nein“ sagt und wie man Kindern lernen kann mit Enttäuschung, Wut und Frust angemessen umzugehen.

Und es ist durchaus legitim, den Weg so zu wählen, dass nicht gleich jedes Mal das Chaos ausbricht, die Kids die halbe Bude zusammen brüllen und Mutti einen halben Nervenzusammenbruch erleidet.