Wenn Eltern filmen: Das sind die 5 typischen Arten

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Eltern sind lustige Gestalten. Sie reden viel, schlafen wenig UND:
Sie filmen.
Oder kennt ihr Eltern, die nicht ihr Handy zücken, wenn das Kind irgend etwas ganz Wunderbares tut? Zum Beispiel, über eine Mauer balancieren, einen Ball werfen, Schoggi essen, übers Gras gehen, eine Pfirsich mampfen.
Ich auch nicht.

Ok, solche aussergewöhnlichen Situationen sind es ja auch wirklich Wert, filmisch festgehalten zu werden. Ich wäre auch froh, hätten meine Eltern damals meine ersten Sprech-Rülps-Ess-Gehversuche gefilmt. Dann könnte ich mir diese Filme heute bei Wein und Kerzenlicht mit meinem Mann und meinen Kindern immer und immer wieder anschauen… :-)

Ich hab für euch mal die 5 typischen Arten von Eltern mit Kamera zusammengefasst:

Die „Alles-Filmer“
Sie filmen einfach ALLES. Egal ob Gehversuche, Schreiattacken, Wurstbrot essen, Ziegen streicheln – das Smartphone klebt an den Händen der Alles-Filmer. Oft können sie kaum in Busse und Züge einsteigen, weil sie mit einer Hand immer filmen müssen. Oder sie montieren sich gleich eine Go-Pro Kamera ans Handtäschchen oder an den Hemdkragen.
Im Laufe ihres Eltern Daseins, werden sie sich Giga-Terra-Peta Byte an Speicherplatz zulegen müssen, damit alles Filmmaterial auch Platz hat. An der Hochzeit ihrer Kinder werden sie der versammelten Hochzeitsgesellschaft dann einen Film in Bollywoodlänge, mit allen Peinlichkeiten ihrer Kids vorspielen können.
Wenn sie diese nicht alle schon längst auf Facebook gepostet haben…

Die „Ich filme nur die Höhepunkte-Filmer“
Sie sind gewappnet. Wissen genau, wann ihr Kind etwas Grossartiges tut und dann ZACK! sind sie zur Stelle. Der erste Löffel Brei, das erste Wort, das erste Pipi, der erste Wackelzahn: Alle Highlights des Baby- und Kinderlebens haben sie verewigt. Sie kennen die ersten Höhepunkte ihrer Kids quasi nur durch die Smartphone-Linse. Aber egal. Oma und Opa, die Freunde aus Übersee, die Patentante aus dem Wallis bekommen dann regelmässig Whats App Nachrichten und zu Weihnachten eine DVD mit den Highlights.
Wenn sie diese nicht alle schon längst auf Facebook gepostet haben…

Die „Heimlich-Filmer“
Sie wissen, dass das ständige „Moment-ich-muss-noch-schnell-meine-Kamera-das-muss-ich-schnell-filmen“ Gedöns nervt, und filmen dann immer nur ganz zufällig und unauffällig. Laufen deshalb auch immer 10 Meter hinter den Kindern her und manchmal tun sie einfach so als würden sie telefonieren. Oder ein Pflänzchen fotografieren…

Die „Regisseure“
Sie erkennt man an den wild fuchtelnden Gesten und den lauten, fordernden Anweisungen meistens in der 3. Person :
„Ja suuuper Livio, rutsch noch einmal hinunter, der Papa will das filmen!“
„Prima Chantal, jetzt geh noch mal zur Mama und umarme sie noch einmal, der Papa will das filmen. Für die Oma!“
„Gut mein Mäuschen, mach diese Piroutette noch einmal, die Mama will das filmen, das zeigen wir dann dem Papa.“
„Ja, bitte noch einmal in dem Dreck wühlen mein Schatz. Die Mama will das filmen. Und dann auch nochmal dieses „Wäh-Gesicht“ machen.“
„Sing noch einmal diese Strophe. Mama und Papa wollen das filmen und auf YouTube hochladen.“

Die „Gar nicht Filmer“
Sie machen nur Fotos, mit der Spiegelreflexkamera. Sie haben nämlich kein Handy…

Diese „Gattung“ gibt’s aber nur sehr selten.

Ja ich habe auch gefilmt. Stundenlang, immer wieder.
Viel zu viel eigentlich.
Unzählige Kindergarten-Events, Zirkusvorführungen, Schultheater, bis mir dann jeweils fast der Arm eingeschlafen ist. Jedes „Happy-Birthday“, jedes „Kerzen ausblasen“, die Spielgruppen-Verabschiedung und alle Tänze aus der Mini-Disco (Socu socu, batschi batschi, Hey Baby, Chocolat, Ramsamsam, Tschutschu Wa – ich hab sie ALLE).
Und was um Himmelswillen mach ich jetzt mit diesem Filmmaterial?..

Ein bisschen filmen, fürs Erinnerungsalbum, als Andenken, weil die Zeit doch so schnell vorbei geht, ist ja auch prima.
Aber manchmal vergisst man vor lauter filmen etwas ganz Wichtiges fast ein bisschen:
Nämlich wieder mal lange und vor allem richtig, hinzuschauen und hinzuhören
Denn selten ist das Anschauen des Films, so berührend, so gut, so authentisch, wie eigentliche der Live-Moment.

Und übrigens: Wenn schon filmen, dann das Smartphone QUER halten (also nicht so, wie beim Telefonieren) sonst habt ihr nachher diese hässlichen schwarzen Balken links und rechts.
Und wer nicht ganz draus kommt, der schaut einfach hier: