An euch Eltern da draussen

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Liebe Eltern
immer wieder bin ich auf den verschiedenen Plattformen unterwegs. Lese Kommentare und Antworten in Foren und Facebook Gruppen und nehme am regen Erziehungs-Austausch im Web teil. Eine tolle Sache, eigentlich. Denn wir Eltern sitzen ja irgendwie alle im gleichen Boot.
Wir alle kennen das Gefühl halb ohnmächtig zu werden, vor lauter Schlafmangel, wir alle wissen wie es sich anfühlt, wenn wir unsere Kids mal 2 Minuten auf dem Spielplatz oder im Schwimmbad nicht finden können. Wir alle waren schon mal kurz vor dem Nervenzusammenbruch, weil wir mit trotzenden, schreienden, schlagenden, nicht gehorchenden Kleinkindern oder auch Teenies einen Moment überfordert waren. Wir alle machen uns Sorgen um das Wohlbefinden unserer Töchter und Söhne und tun alles, damit es ihnen gut geht. Den einen gelingt das ein bisschen besser, den anderen vielleicht ein bisschen weniger.
Eigentlich wollen wir doch alle nur Eines: nämlich das Beste für unsere Kids.
Manchmal sind wir froh um Hilfe, Tipps und Ratschläge. Manchmal wollen wir uns auch nur ein bisschen in der virtuellen Welt ausheulen. Vielleicht weil wir grad niemanden zum reden haben, vielleicht weil wir uns schämen, vor Freunden und Bekannten zuzugeben, dass wir grad nicht mehr mögen, weiter wissen oder einfach die Schnauze voll haben.
Manchmal wollen wir auch nur etwas Bestätigung haben, von mehr oder weniger Fremden, die uns dann sagen: „Hey, alles wird gut, mir geht es im Fall auch so wie dir.“
Manchmal sind wir froh, diesen virtuellen Dorfbrunnen zu haben, zum quatschen, plaudern, Unsinn reden, zum jammern, klagen, sich freuen und zum Fragen stellen.
Ab und zu vergessen wir dabei aber auch, dass wir viele Fragen eigentlich selber beantworten könnten. Wenn wir ein bisschen überlegen, unseren gesunden Menschenverstand einschalten würden. Wir könnten eigentlich viele Dinge selber entscheiden, wenn wir wieder auf unser Bauchgefühl hören würden, wenn wir unsere Handys weglegen und unsere Kinder anschauen, ihnen zuhören und sie beobachten würden.
In vielen Situationen tut es aber gut, Fragen zu stellen, Diskussionen zu eröffnen, sich vielleicht auch Hilfe und Ratschläge zu holen, seinen Horizont etwas zu öffnen, sich mal eine andere Meinung anzuhören und sich vielleicht auch zu sagen: „Hmm. So habe ich das noch gar nie gesehen.“
Manchmal ist man verwundert über gewisse Antworten oder Theorien, doch das ist kein Grund andere Menschen zu beleidigen. Manchmal muss man halt noch einmal nachfragen. Vielleicht hat der Schreiber/die Schreiberin ihren Satz auch ironisch gemeint. Vielleicht wollte sie einfach ein bisschen provozieren, vielleicht hatte sie beim Schreiben auch einfach eine Scheiss-Laune. Vielleicht hat sie Eheprobleme, ein krankes Kind zu Hause, einen Mann der nicht mithilft, Geldsorgen.
Manchmal muss man gewissen Antworten auch einfach überlesen, still für sich den Kopf schütteln oder einfach nur denken: „Nein, für mich stimmt das so nicht, ich mache es anders.“
Seien wir doch einfach offen, neugierig, hilfsbereit aber auch höflich und vorsichtig und überlegen uns immer gut, wie unsere Worte und Antworten auf der anderen Seite ankommen könnten.

Ich gibt nicht die EINZIG richtige Erziehung, es gibt verschiedene Möglichkeiten. Wir alle können von einander profitieren, wenn wir uns austauschen, wenn wir nachfragen, uns Mut machen, positives Feedback, angemessene und konstruktive Kritik geben, wenn wir Ratschläge und Tipps als Hilfestellungen anschauen, wenn wir das heraus nehmen, was für uns stimmt. Wir können voneinander lernen, WIE wir es anders machen KÖNNTEN oder wie wir es ganz bestimmt NICHT machen wollen.
Wir Eltern sitzen alle im gleichen Boot und rudern gemütlich im gleichen Takt. Manchmal müssen wir aber auch schwimmen, weil wir kurz aus dem Boot gefallen sind. Meistens sind wir selber Schuld, aber auch wenn wir nicht mehr im Boot sitzen, so schwimmen wir auch wieder im gleichen Wasser. Wir können uns gegenseitig helfen den Kopf über Wasser zu halten, wir können uns gegenseitig wieder ins Boot hieven, wir können zusammen das Ruder in die Hand nehmen und weiter rudern.
Lasst uns doch einfach von einander profitieren, ziehen wir wieder etwas mehr am gleichen Strick und hören auf uns immer wieder zu beschimpfen, Vorwürfe zu machen. Nehmen wir doch Tipps und Ratschläge wieder mehr als das an, als was sie eigentlich gedacht sind: nämlich als Tipps und Ratschläge.
Niemand muss irgend etwas GENAU SO machen, wie es vielleicht in einem Blog, einer Zeitschrift, in einem Forum oder in der Antwort eines Facebook Users steht. Jeder nimmt das für sich heraus was für ihn persönlich stimmt. Vielleicht probiert man auch mal etwas aus, guckt ein bisschen über seinen Erziehungs-Tellerrand hinaus und merkt, dass es so vielleicht noch besser funktioniert.
Lasst uns doch zusammen dieses Erziehungs-Boot steuern, die Felsen umschiffen und die täglichen Herausforderungen so gut es geht meistern.
Helfen wir einander, dass wir nicht zu oft kentern und ins kalte Wasser fallen.
Und auch wenn wir ab und zu rein fallen:
Zusammen sind wir schneller wieder im Boot und es macht auch irgendwie viel mehr Spass.