„Ruhe in Frieden, lieber Diddl…“

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Ja ich war einer. Ein grosser sogar: Ein Diddl Fan.
Was habe ich damals gesammelt: Diddl Plüschtiere in allen Grössen und Varianten. Für die Fensterscheibe, fürs Auto, als Schlüsselanhänger. Diddl auf Kissen, Diddl als Wärmeflaschen, Diddl auf Bleistiften, auf der Bettwäsche, als Tagebuch. Stundenlang haben wir Diddl gezeichnet und Notizblätter getauscht. Wer dabei sein wollte, der schmückte sich mit der Diddl Maus. Vor 20 Jahren grassierte das Diddl-Fieber. Überall.

Und noch heute hängen in zahlreichen Frauen Autos, Diddl Mäuse an Frontspiegeln, an Handtaschen oder am Schlüsselbund…

Jetzt ist Diddl Geschichte. Der Hersteller stellt den Betrieb der grauen Maus mit den farbigen Latzhosen ein. Die Maus verkauft sich einfach nicht mehr gut genug. Die Kids von heute stünden mehr auf: Topmodels, Zauberfee Ylvi, auf Prinzessin Lillyfee, auf Hello Kitty oder auf Monstercars. Ich möchte den Diddl nicht ziehen lassen, ohne mich noch von ihm persönlich zu verabschieden.

Lieber Diddl

am Anfang wusste man nicht so genau, ob du jetzt ein Mann oder eine Frau bist. Welcher Mann trägt schon gelbe oder pinkfarbene Latzhosen? Eben.
Trotzdem hab ich dich geliebt und gezeichnet. Du warst und bist die einzige Comicfigur, die ich einigermassen gut hingekriegt habe. Du hast mich begleitet. In meiner Kinder- und Jugendzeit hast du mir als Tröster und Maskottchen über Liebeskummer, schlechte Noten und Eltern-Zoff hinweggeholfen. Unzählige Briefe (ja, damals schrieb man noch Briefe), hab ich meinen Brieffreunden auf Diddlpapier geschickt, stundenlang haben wir mit Freundinnen Diddl-Blätter getauscht, du warst überall in meinem Zimmer präsent.
Das Diddl-Fieber hat sich auch auf meine Töchter übertragen. Auch sie haben gesammelt, gezeichnet und dich gemocht. Ok, das Ganze war nicht mehr ganz so hysterisch, wie das in meiner Jugendzeit der Fall war, aber immerhin.
Doch nun, sind wir beide in die Jahre gekommen. Ich mach’s hoffentlich noch ein paar Jährchen, aber du musst gehen.
Wenn es am schönsten ist, dann soll man ja bekanntlich gehen, denn dann bleibt man eher in Erinnerung, als wenn man jahrelang vor sich hinserbelt.

Die Kids meiner Kids, werden dich nicht wohl nicht mehr so kennenlernen, wie ich und meine Generation es getan hat. Vielleicht werden sie im Internet ab und zu über deine Bilder stolpern und fragen: „Du, wer ist das?“
Und meine Kids, werden ihren Kids dann sicherlich erzählen: „Das ist der Diddl. Oma war ein RIESEN-Fan, aber im Jahr 2014 ist er leider ausgestorben.“

Danke Diddl, für alles!
Mögest du in Frieden ruhen.