Jetzt lasst das mal die Kinder machen!

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„Mamiiii ich hab Durst“
Mami kommt – das Wasser ist eingeschenkt.
„Papiiii, diese doofe Jacke. Ich kann sie nicht anziehen!“
Papi kommt – Jacke ist angezogen.
„Heeh, wo kommt dieses Puzzleteil hin, so ein Mist.“
ZACK! Puzzleteil ist am richtigen Ort eingesetzt.
„Mamaaaa, ich kann die Butter nicht aufs Brot schmieren!“
Mami nimmt das Messer – Butter ist aufs Brot geschmiert.

Tagtäglich rufen unsere Kids irgendwelche Fragen in den Raum oder schreien nach Hilfe, meistens ohne vorher überhaupt irgend etwas probiert zu haben:
Hosen anziehen, Zahnpasta zuschrauben, Schuhe wegräumen, Schränke aufmachen, Ovomaltine ins Glas geben, ein Brot streichen, Wasser einschenken – und schon sind wir Eltern zur Stelle.
Wir stülpen Mützen auf Kinderköpfe, ziehen Hosen über die Knie, fahren mit Waschlappen über Tomatensauce-Gesichter, kämmen Haare von Schulkindern, hängen Badetücher an Badetücher-Stangen und schneiden Brote. Wir tragen Kinder die Treppen hoch und runter, föhnen Haare, decken Tische, drücken Seife aus Seifenspendern, räumen ihr Geschirr vom Tisch.

Das tun wir meistens weil:
Es einfach schneller geht und weil wir oft keine Zeit haben oder uns zu wenig Zeit nehmen…

„Das dauert auch immer eeeewig, wenn wir die Kinderlein das alles selber machen würden“, das denkt ihr jetzt sicher, stimmt’s?
Und ja und ihr habt ja auch irgendwie recht. Es geht halt wirklich meistens schneller, wenn wir Eltern das rasch erledigen. Zeigen und erklären können wir das ja dann mal später…
Und überhaupt:
„Wenn mein Kind das alleine machen würde, müsste ich nachher nur wieder alles putzen, also nö. Ich mach das lieber selber.“

Und so erledigen wir tagein tagaus ganz viele Dinge, welche die lieben Kleinen und auch Grossen eigentlich schon längst selber könnten, aber es einfach nie tun, weil wir immer schneller sind und weil es bequemer ist.
Und für die Kinder ist es sehr praktisch, wenn dir immer jemand alles schön auf den Kopf, den Teller oder vor die Füsse legt. Und man gewöhnt sich daran.
„Ach ja, die Mama oder der Papa, die machen das ja schon. Ausserdem können die das eh viel besser und schneller. Das sagen sie ja auch immer wieder. Und schliesslich tun sie das ja schon lange, ich sehe nicht ein, warum ich das jetzt plötzlich alles selber machen soll. Und sonst schrei ich einfach ganz laut oder tu einfach so, als könne ich es nicht oder als sei ich furchtbar müde.“

Klar gibt es manchmal Situationen, in denen Kinder wirklich müde, schlecht gelaunt und unmotiviert sind Anweisungen zu befolgen und Dinge selber zu erledigen.
Da hilft es ganz gut, wenn man sie motiviert und ihnen mit etwas Fantasie und Humor auf die Sprünge hilft.
Und natürlich darf man Kinder auch manchmal etwas „verwöhnen“, ihnen etwas Gutes tun und etwas für sie erledigen, das sie eigentlich selber machen könnten.
Aber eben nicht ständig.

Natürlich gibt es auch einige Sachen/Handlungen, die besonders ganz kleine Kinder noch nicht selber können.
ABER: Mit unserer Hilfe können sie es lernen.
Jeden Tag, ein Stücken mehr.
Wir müssen ihnen nur die Hand reichen, es ihnen immer wieder vormachen, sie motivieren und wertschätzen, es ihnen zutrauen und ihnen auch die Zeit geben, es zu versuchen. Die meisten Dinge sind nämlich weder lebensgefährlich noch bedrohlich und wir müssen da nicht ständig intervenieren und eingreifen.

1. Überlegt euch einmal, welche Dinge ihr euren Kids immer abnehmt und was ihr alles für sie erledigt. Dinge, die sie eigentlich schon selber könnten.
Oder zumindest versuchen könnten, sie selber zu tun.

2. Wenn Kinder kommen und euch einen „Auftrag geben“ oder euch sagen oder anschreien, ihr sollt dieses oder jenes tun, tut es nicht einfach.
Stellt lieber Fragen und Gegenfragen und leitet sie an, helft ihnen, dass sie einzelne Schritte selber probieren. Ganz nach dem Motto:
HILF MIR, ES SELBST ZU TUN

„Was musst du als erstes tun, wenn du deine Schuhe, Socken, Hosen, deinen Pyjama, deine Jacke anziehen willst?“

3. Wenn sie es nicht wissen oder noch nicht können, zeigt ihnen wie, gebt ihnen Hilfestellungen, lasst es sie immer wieder probieren, aber erledigt nicht einfach die ganze Aufgabe für sie.
„Schau mal, wenn ich den Reissverschluss zumachen will, dann lege ich meine Finger immer hier hin.“
„Beim Einschenken halte ich das Glas immer so.“

Ihr müsst das nicht IMMER tun, aber IMMER ÖFTERS. :-)

Kinder können viel mehr als wir denken

Vor allem kleine Kinder lieben es, ganz viele Dinge SELBER zu tun. Nutzt diese Neugier der Kleinen und lasst sie mithelfen und viele Sachen ausprobieren.
Wenn wir sie nämlich von Anfang in ihrer Selbstständigkeit unterstützen, dann besteht durchaus die Möglichkeit, dass sie sich das angewöhnen und es später auch immer noch gerne tun. :-)
Wenn Kinder viele Dinge selber tun dürfen, lernen sie viel über ihre Umwelt, über das WIE und WARUM und über Gefahren. Wenn wir sie anleiten, ihnen Hilfestellungen geben und nicht immer alles für sie erledigen, dann werden sie selbstständiger und können Probleme und Schwierigkeiten besser lösen.
Wenn SIE es machen dürfen, dann sind sie weniger wütend und trotzig.
Denn wenn wir Eltern es für sie erledigen, dann ist es eben meistens überhaupt nicht so, wie sie es eigentlich haben wollten:
„Maaamaaaa!Ich will aber den blauen Becher!“
„Du hättest das Brötchen nicht so schneiden dürfen!“
„Du musst zuerst das Wasser einfüllen und dann erst den Sirup, Papa! Den trink ich so nicht!“

Ja, es geht einfach alles ein bisschen länger, es braucht mehr Zeit und auch Geduld und die scheinen wir nicht immer so zu haben.
Wir könnten einfach etwas mehr Zeit einberechnen und daran denken:
Wenn wir den Kinderlein immer wieder ganz viele Dinge zeigen und ihnen dabei helfen selbständiger zu werden und Sachen selber zu tun, dann haben wir mit der Zeit immer „mehr Zeit“.

Wenn Kinder Dinge allein schaffen, fördert das auch das Selbstbewusstsein und es macht sie stark für weitere Herausforderungen. Immer wieder müssen wir Eltern nur die Rahmenbedinungen schaffen und dann einen kleinen Schritt zurückstehen. Die Kinder nur be-gleiten, bestärken und motivieren und eben nicht immer alles für sie erledigen.
Es braucht aber auch Vertrauen und das Wissen, das noch nicht alles perfekt sein muss.
Lasst es einfach mal die Kinder machen!
Und aus dem bisschen „weniger“, wird sofort viel, viel „mehr“.

  • Céline Schaub

    Finde ich super, liebe Frau Elternplanet :-). Was auch ganz lässig ist bei kleinen Kindern, wenn z.B. das Kind keine Lust hat sich anzuziehen, es aber eigentlich gut kann und meint „ich kann das nicht“: Ok, ich helfe Dir. Also, zuerst die Unterhose – diese zieht man dann auf den Kopf. Dann schreit das Kind gleich lauthals „Nein, so doch nicht, Mami“. Und schwupps, zieht es die Unterhose selbst an. „Oh ja, gut, macht Sinn“. „Also, dann das T-Shirt“. Dieses zieht man an die Beine an. Bereits schreit das Kind wieder „Nein, Mami, das gehört so..“. Und so weiter. Eine lustige Methode, um sich nicht in Machtkämpfe zu verstricken im Sinne von: „Doch, das kannst Du ganz sicher selbst“. Funktioniert meistens prächtig..

    Liebe Grüsse
    Céline von elternkind.ch