Immer Ärger auf dem Schulweg

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„Der hat mich gehauen, die Mütze weggenommen, mich geschubst, ausgelacht, ist mir davon gerannt. Er hat mich ans Schienbein gekickt, sie hat mir die Zunge rausgestreckt, mir Arschloch gesagt, mir einen Stein gegen den Kopf geworfen, mich gewürgt und geboxt, an den Baum gefesselt, mein Pausenbrot ins Gebüsch geworfen.“
Wenn Kinder von ihren Schulweg- und Pausen-Erlebnissen erzählen, könnte man manchmal denken, sie kämen direkt vom Schlachtfeld. Welche Geschichten da erzählt werden, das lässt einem die Haare (egal ob glatt oder kraus) zu Berge stehen. Manch einer ist da kurz davor, den Nachwuchs zu schnappen und schnurstracks zum bösen „Täter“ Kind zu marschieren und dem ordentlich den Marsch zu blasen. „Sag mal, geht’s noch. Jetzt lässt du sofort meinen Sohn in Ruhe. Wenn du ihn noch einmal haust, dann kannst du was erleben!“
Soll man sich in Schulweg- und Pausengeschichten einmischen?
Besänftigen, Ratschläge geben, sich die anderen Kinder vorknöpfen, die Eltern anrufen, der Lehrerin Bescheid geben? Oder einfach darauf vertrauen, dass dann schon alles wieder in Ordnung kommt?

Hier mal ein paar Vorschläge und Tipps von mir:

1. Ruhe bewahren
Nicht alle Schulweg- und Pausenplatz Horror-Geschichten sind auch wirklich 100% genau so passiert. Manchmal wird da noch ein bisschen ergänzt und sehr Dramatisches hinzugefügt. :-)
Also nicht immer gleich wutentbrannt zu den Eltern rennen. Es hat immer alles zwei Seiten.
Also: Ruhe bewahren und erst mal gut zuhören, keine Vorwürfe machen, nachfragen und das Gehörte in eigenen Worten wiedergeben: „Habe ich das richtig verstanden, der Marco hat dich einfach so ohne Grund in die Seite geboxt?“

2. Zeit zur Beruhigung vorschlagen
Erzählungen über Streit, oder Ungerechtigkeiten den eigenen Kids gegenüber, lösen oft heftige Reaktionen aus. Man will es den Kindern, den Eltern oder gleich beiden heimzahlen, sie zur Rede stellen, fragen warum sie das getan haben. Ist man auf 180, wütend, sauhässig, dann findet man aber kaum die richtigen Worte. Die „Täter“-Kinder und die Eltern müssen sich verteidigen, werden ebenfalls emotional und es artet nicht selten im Streit aus.
Also, bevor man reagiert: Sich zuerst einen Moment beruhigen und einen klaren Gedanken fassen.

3. Die Kinder mit einbeziehen
Oft bringt es mehr, wenn die Kinder in die Lösungsfindung miteinbezogen werden. „Brauchst du meine Hilfe oder kannst du das alleine lösen? Wie kann ich dir helfen? Wie könntest du jetzt vorgehen? Was würde die Situation entspannen?“ Manchmal ist es für die Kinder auch nicht ein so riesiges Problem, wie für uns Erwachsene. Ein Einmischen wäre kontraproduktiv und würde die ganze Sache unnötig aufbauschen. Wenn die Kinder selber keine Lösungswege sehen, dann könnt ihr ihnen ein paar Tipps und Anregungen geben. Vielleicht einen alternativen Schulweg vorschlagen, sich mit einem Nachbarskind „verbünden“ und mit diesem zusammen in die Schule gehen. Vielleicht kann es temporär auch helfen, das Kind ein Stück auf dem Weg zu begleiten, damit man die Situation etwas besser einschätzen kann. Das natürlich nur, wenn das Kind damit einverstanden ist.
Also: Hilfe anbieten, dann aber auch mal einen Schritt zurück stehen, die Kinder machen lassen und dann später zusammen überprüfen, wie es geklappt und hat und ob das Problem jetzt gelöst ist.

4. Gespräche mit den Kindern oder Eltern
Wenn die betroffenen Kinder und Eltern kooperativ und an einer Lösung interessiert sind, könnt ihr euch ihr mal in Ruhe zusammensetzen. (Nur mit den Kindern oder auch mit den betreffenden Eltern zusammen). Dabei ist es ganz wichtig, dass ihr versucht „lösungsorientiert“ an die ganze Sache heranzugehen. Fragen wie „Warum hast du das getan? Warum benimmt sich ihr Kind so daneben? Warum schliesst du immer meine Tochter aus?“ verhärten nur die Fronten und bringen nicht viel.
Wichtig ist es, zu erklären, welche Gefühle das Verhalten auslöst: „Das macht mich/meinen Sohn traurig. Er hat Angst in die Schule zu gehen, er kann nicht mehr einschlafen.“ Dann erst kann man weiter besprechen, was denn anders laufen soll: „Hast du einen Vorschlag, wie könnet ihr das machen, dass ihr friedlich zusammen in die Schule gehen könnt? Wie könnt ihr euch aus dem Weg gehen? Was tun, wenn man geärgert wird?“

4. Hilfe von aussen holen
Kann das Kind sich nicht selber wehren, möchtet ihr euch nicht selber einmischen, ist die Situation schon so verfahren, dann ist es sehr wichtig, dass ihr euch Hilfe von aussen holt. Die Lehrperson hinzuziehen, die Schulleitung, die Schulsozialarbeiterin. Diese können als Vermittler die Situation manchmal besser klären und helfen mögliche Lösungen zu suchen. (Leider sind nicht alle dieser genannten Personen immer gleich kompetent. Deshalb ist es wichtig, dass man sich gut überlegt, wer für diese Situation der oder die Richtige wäre.
Oft ist es auch hilfreich, das Thema „Pause“ oder „Schulweg“ mit der ganzen Klasse zu thematisieren.