Kind – Warum hast du das gemacht?

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„Warum hast du diese schönen Blumen ausgerupft, Herrgott nochmal?“
„Warum hast du der Nachbarin blöde Tante gesagt, das ist total daneben.“
„Warum hast du deinen Bruder gehauen hä?“
„Warum hast du den Becher schon wieder ausgeleert?“
„Warum spielst du nie schön brav in deinem Zimmer?“
„Warum isst du das Gemüse nicht?“

Gute Frage eigentlich.
Und wir Eltern sind ja Meister im „solche Fragen“ stellen.
Die Frage ist aber: Warum stellen wir unseren Kinderlein diese Fragen?
Was möchten wir denn hören?
Vielleicht so was in der Art?

„Ich habe die Blumen ausgerupft, weil ich bei Wikipedia gelesen habe, dass die 5 Blätter haben und ich wollte sie bloss zählen.“
„Ich habe der Nachbarin blöde Tante gesagt, weil sie mir gestern mein „Like a bike“ umgestossen hat.“
„Ich habe ihn gehauen, weil er jetzt langsam mobil wird, in mein Territorium einbricht, mir meine Legohäuser kaputt krabbelt und ich das nicht mag.“
„Ich habe meinen Becher ausgeleert, weil ich noch etwas ungeschickt bin.“
„Ich spiele nie schön brav in meinem Zimmer, weil ich nicht gerne alleine bin und schauen möchte, was du gerade so machst.“
„Ich esse das Gemüse nicht, weil das voll schlabbrig ist und ich den Geschmack nicht mag.“

Und was sagen unsere Kids tatsächlich, wenn wir ihnen solche Fragen stellen?

Meistens gar nix.
Oder wenn sie ganz besonders vorwitzig sind und schon gut sprechen können vielleicht so etwas:

„Ich habe die Blumen ausgerupft, weil sie hässlich sind und ich dort mit dem Bagger spielen will.“
„Ich habe der Nachbarin blöde Tante gesagt, weil das lustig ist.
„Ich habe ihn einfach so gehauen.
„Ich weiss nicht, warum ich den Becher ausgeleert habe.“

Wenn wir keine Antworten bekommen, werden wir oft wütend und fragen noch mal und noch mal, manchmal bis zur gegenseitigen Erschöpfung, oder zum Wutanfall:
„Du sagst, mir jetzt sofort, warum du diese Blumen ausgerupft hast. Wenn du mir jetzt nicht sofort sagst, warum du deinen Bruder gehauen hast, kannst du in dein Zimmer gehen. Ich will jetzt sofooort wissen, warum du diese Blumen kaputt gemacht hast.
Was ist bloss mit dir los?
Jetzt sag mir endlich, warum du dich so daneben benimmst und diese Bluuumen ausgerissen haaast?
“ *beliebigerweiterbar

Warum Kinder nicht gehorchen, Blödsinn machen, frech sind, werden sie uns in den seltensten Fällen ehrlich und sinnvoll beantworten können oder wollen. Manchmal wissen sie es auch ganz einfach nicht, oder sie wollten nur ausprobieren wie sich etwas anfühlt, oder wie ihre Umwelt darauf reagiert.
Wir können diese Fragerei deshalb ganz einfach lassen und lieber gleich zur Erklärung, Lösungsfindung und allenfalls zu einer logischen Konsequenz über gehen. Spart viel Ärger und Energie. :-)
Wenn die Kinder schon ein bisschen älter sind, gut sprechen können, dann hilft es in vielen Fällen auch, wenn wir ihnen mit Fragen und Gegenfragen zeigen, warum ihr Verhalten jetzt gerade total daneben war.

Wenn wir bei den grösseren Kids unbedingt etwas fragen wollen, DANN lieber nach dem Gefühl, welches in dem Moment eine Rolle gespielt hat, und nicht nach dem Grund.

„Das ärgert mich jetzt sehr, dass du diese Blumen ausgerupft hast. Ich hab mich sehr gefreut, dass sie so schön blühen.
Weisst du was passiert, wenn die Blumen jetzt nicht mehr in der Erde sind?
Was brauchen denn Blumen, damit sie wachsen können?
Wo könntest du denn sonst noch mit dem Bagger spielen?“
„Was hat dich denn so an diesen Blumen geärgert?
Was hat dich denn an den Blumen so fasziniert?“

„Mir ist das unangenehmen und ich schäme mich, wenn du die Nachbarin beschimpfst. Blöde Tante ist ein Schimpfwort. Was denkst du, über welche Worte würde sie sich denn freuen? Ich möchte, dass du dich entschuldigst. Hast du eine Idee, wie du das machen könntest?“
Oder: Was könntest du denn sonst tun, wenn du dich über sie geärgert hast?“
„Warum hat dich die Nachbarin denn so wütend gemacht?“

„Ich verstehe, dass du dich über den Max ärgerst, wenn er dir die Sachen kaputt macht. Wenn du ihn haust, wird er damit aber nicht aufhören, weil er ja gar nicht weiss, was du von ihm möchtest? Was könntest du denn tun, damit er begreift, dass du das nicht magst?“
„Was hat der Max denn getan, dass dich so geärgert hat?“

Wenn Problemverhalten immer wieder auftaucht, dann braucht es ebenfalls keine lange Fragerei nach dem „Warum hast du jetzt schon wieder…?“.
Da sind Regeln, Abmachungen und dann auch logische Konsequenzen viel wichtiger und hilfreicher.
Mehr dazu findet ihr hier.

Probiert’s mal aus:
Weniger auf dem „Warum hast du das gemacht?“ herum reiten, sondern nach vorne schauen und Möglichkeiten suchen, damit ein solches Verhalten beim nächsten Mal möglichst nicht mehr passiert.