W i n t e r b l u e s

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Leute. Bevor ich diesen Artikel schreibe gucke ich zum 136-igsten Mal am heutigen Tag ob vielleicht doch irgendwo draussen noch ein Sonnenstrahl unter einem verdorrten Busch hockt, den ich schnappen, einsaugen und in Energie umwandeln könnte. Aber nein. Nichts, nur grau und kalt und kein Schnee und einfach Bäh. Also dann halt ohne Sonne, dafür mit Kaffee.
Legen wir los:

Ich muss mal wieder etwas jammern. Ich weiss nicht wie es euch geht, aber in der kalten Jahreszeit, also wenn die Sonne hinter dem Nebel verschwindet und man kaum merkt ob jetzt Vormittag oder Nachmittag ist, fällt mir alles unglaublich schwer.
Vom Haushalt wollen wir gar nicht reden. Ich stelle dann die Wäschkörbe vom Keller in den oberen Stock und wieder zurück, bin Meister im hinauszögern, verschieben und von „Ach-das-mach-ich-dann-morgen“ Gedanken. Wäre ich ein Tier, würde ich ganz bestimmt einen Winterschlaf machen und dann wenn’s wieder Frühling wird, ausgeschlafen, ausgeruht und fröhlich aus meiner Höhle kriechen.
Im Moment fällt mir alles so schwer auch der Erziehungsalltag. Im Sommer mach ich das meistens mit Links. Da bin ich echt ziemlich relaxed, ausgeglichen, ruhig, aufgestellt und auf ZACK.
Die Mittagsdiskussionen um den Spiegel im Badezimmer, die verdrehten Augen nach Anweisungen, freche, unflätige Antworten, Streitereien um Haarbürsten, Hausaufgaben, um verlorene Mützen, Kugelschreiber oder Turnschuhe. Ach ja. Nervig aber zum Aushalten, und im Sommer hab ich da meistens auch einen guten Trick auf Lager: Ein bisschen Ablenkung, ein offenes Ohr, ein „lösungsorientiertes“ Gespräch. Oder dann setz ich mich ein paar Minütchen mit einem Eiskaffee auf die Terrasse, lasse die Sonne auf mein leicht genervtes Haupt scheinen und die Welt ist wieder in Ordnung.
Im Winter da könnte ich einfach nur die Wände hoch gehen. Und es nervt mich dann alles gleich noch mehr, weil ich merke, dass ICH eigentlich das Problem bin oder eben der Winter. Oder beides.
Klar. Ich nehm regelmässig warme Bäder mit Badezusätzen wie „Stark-im-Winter-Bleib-fröhlich-lass-dich-nicht-unterkriegen-bald-ist-Frühling“. Ab und zu mampf ich Schoggi, Kaffee ist mein Lebenselixier, ich trinke viel Tee ohne Zucker, geh an die frische Luft, mach eine Avocado-Gesichtsmaske für geschmeidige Haut, mache Sport. Das hilft manchmal ein bisschen aber trotzdem: der Winterblues bleibt.
Im Winter finde ich dieses Erziehungs-Ding einfach viel schwierig und viel anspruchsvoller. Ich bin brummelig, lauter, unfairer, unfreundlicher, ungeduldiger, nörgeliger. Eine kleine Motzkuh. Gut kann ich ab und zu ein bisschen auf diesem Elternplaneten lesen. Dann fällt mir das alles ein kleines bisschen leichter. :-)

Vielleicht kauf ich mir mal diese Anti-Winter-Depressionslampe oder ich gewinne im Lotto und kauf mir eine Insel in der Südsee oder ich überleg mir das mit dem Winterschlaf einfach noch einmal.

Nachtrag:
Kaum war ich mit dem Schreiben des Textes fertig, haben sich die Wolken verzogen, die Sonne kam hervor und ich hab jetzt grad eine Stunde mit der Wolldecke auf der Terrasse verbracht. Jetzt geht’s mir wieder besser.
Bis morgen.