Zur Strafe unter die Dusche!

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Normalerweise schreibe ich meine Artikel immer mit einem kleinen Augenzwinkern. Ich versuche auch immer verschiedene Möglichkeiten aufzuzeigen, wie man es machen KÖNNTE, denn es gibt nicht DEN einzig richtigen Erziehungsweg, sondern immer verschiedene Möglichkeiten.
Doch heute muss ich mal wieder ganz ernst und ohne Schnick-Schnack Klartext reden.

Ich bin immer wieder schockiert, wenn ich Aussagen wie diese lese, inkl. dem Zwinker-Smiley:
„Ja, sie hat halt so doof getan, da hab ich sie mit den Kleidern unter die Dusche gesteckt. Meine Freundin hat mir das empfohlen.“
„Sie hat sich nicht mehr beruhigt und so geschrieben, da hab ich sie halt kurz abgeduscht.“
„Ich hab sie einmal abgeduscht, dann hat sie es nie mehr gemacht.“

Ich kann wirklich verstehen, dass man manchmal an seine Grenzen kommt. Dass man laut wird, dass man auch mal Dinge sagt, die nicht in Ordnung sind. Das kommt vor, und ist auch immer ein Grund sich danach zu entschuldigen und dem Kind zu sagen, dass es nicht ok war. Aber Kinder mit vollstem Wissen und Gewissen unter die Dusche zu stellen und das dann auch noch als notwendige Erziehungsstrategie anzupreisen, macht mich wirklich sehr traurig und auch ein bisschen wütend.
Welch unglaubliche Demütigung.
Nicht das Kind ist nämlich das Problem, sondern sein VERHALTEN. Und eine Dusche hilft nicht das Verhalten zu verbessern oder dem Kind eine mögliche Alternative aufzuzeigen. Es ist einfach nur gemein und böse.

Stellt euch vor, euer Chef würde euch bei einem Fehlverhalten, mit samt den Kleidern, einfach unter die Dusche stellen. Oder der Polizist packt euch nach der Radarfalle und spritzt euch mit einem mobilen Gartenschlauch ab.

Warum sich diese merkwürdige Züchtigungs-Erziehungsmethode so hartnäckig hält, ist mir ein Rätsel.
„Weil das Kind nachher brav ist und keine Dummheiten mehr macht“, ist eine viel gehörte Antwort. Logisch. Weil es geschockt ist, vielleicht auch Angst hat und das nie wieder erleben möchte. Es hat kein Alternativverhalten gelernt, es wurde einfach nur bestraft und gedemütigt.
Und was wenn doch? Wenn das Kind es irgendwann wieder tut? (Was bei Kindern durchaus möglich ist…)
Nochmals abduschen? Dann vielleicht noch etwas kälter?

Was kann man tun, wenn das Kind ausser Rand und Band ist?

Wenn das oft passiert, dann einmal genau hin schauen:
In welchen Situationen läuft etwas schief?
Was ging diesen Situationen voraus?
Haben sie etwas gemeinsam? Ist es dem Kind langweilig, sucht es Aufmerksamkeit?
Ist es über- oder unterfordert?
Hat es vielleicht einfach noch nicht gelernt, wie es sich anders Verhalten kann?
Hat es dieses Verhalten vielleicht von irgend wem abgeschaut?
Hat man vielleicht selber einen extrem schlechten Tag, ist gereizt und mürrisch und schnell auf 180?

Achtet euch auf eure Anweisungen

Keine Frageform, sondern klare, ruhige Anweisungen.
Vorher überlegen:
Muss ich das jetzt sagen?
Positiv formulieren und sagen was das Kind TUN und nicht was es NICHT tun soll.
Zum Kind hingehen, nicht von weit her rufen.
Nicht einfach nur „Nein“ sagen, sondern wenn immer möglich eine Alternative anbieten.
Den Kindern, die Dinge, die sie nicht so gerne tun, „gut verkaufen“.
Da braucht es oft ein bisschen Fantasie und Humor.

Wenn das Kind trotzdem einen Ausraster hat

So lange es einfach rumschreit und tobt:
Ignorieren. Nicht auf das Kind einreden, nicht schimpfen, nicht das Kind als Person beleidigen.
Einfach einen Moment in Ruhe lassen oder wenn der Trotzanfall noch nicht so schlimm ist: das Kind ablenken, von etwas anderem sprechen, es in eine Tätigkeit verwickeln oder auch einfach den Ort wechseln.
Ruhig durchatmen, evt. kurz die Situation verlassen, die Überlebenstipps durchlesen, einen Kaffee trinken und sich immer kurz überlegen, warum ist das Kind denn jetzt so furchtbar wütend?
Meistens merkt man nämlich im Nachhinein, dass man selber am Trotzanfall nicht ganz unschuldig war.

Nehmt es nicht zu persönlich.
Wenn Kinder trotzen, dann tun sie das in erster Linie nicht um uns zu ärgern. Sie sind einfach fertig, mit sich und der Welt und können diese Wut noch nicht richtig kontrollieren.
Manchmal hilft es auch, einen Schritt zurückzustehen und das Kind aus den Augenwinkeln zu beobachten und zu denken: „Hey, es ist alles in Ordnung. Mein Kind hat einen Trotzanfall. Es gibt Schlimmeres.
Und vor allem: Es braucht keine Dusche.

Und sonst lest einfach immer mal wieder DIESEN „Brief an die Eltern“ durch.
Und wenn ihr Freundinnen oder Schwiegermütter habt, die dieses Duschprozedere immer noch gut heissen, klärt sie auf.
Ich danke euch.

 

  • Liebe Tina
    Ich weiss nicht genau, wie du hier auf die Seite gestossen bist. Durch Zufall, eine Empfehlung oder ob du Hilfe gesucht hast.
    Ich hoffe, dass du hier auf dem Elternplanetchen ein paar andere Möglichkeiten findest, mit Problemverhalten deines Kindes umzugehen. Wenn du magst, dann lies dich einfach mal ein bisschen durch. Es gibt hier ganz viele Tipps. die aufzeigen, wie man Problemverhalten vorbeugen kann, damit es gar nicht erst ausartet und man die Kinder (mit welchem Methoden auch immer) bestrafen muss.
    Kinder brauchen Grenzen, Sicherheit und Rituale, da geb ich dir Recht. Es gibt aber ganz viele andere Methoden diese umzusetzen als mit einem Klaps, einer Ohrfeige oder kaltem Wasser…

    Es geht nicht im übrigen auch nicht darum, Klaps, Ohrfeige oder das Duschen gegeneinander abzuwägen und zu sagen: Wenn, dann lieber das, weil das ist besser als das andere.
    Es gibt immer wieder Situationen, in denen man am Anschlag ist, überfordert, vielleicht auch hilflos und einfach reagiert. Vielleicht eben manchmal auch überreagiert. Das ist menschlich und passiert allen von uns immer mal wieder. Man kann sich aber auch immer mal wieder den Spiegel vorhalten und überlegen: Was lief hier schief, warum und was könnte ich das nächste Mal vielleicht besser machen, damit es eben besser läuft.

    Gerade Alleinerziehende machen einen wahnsinnigen Job. Ich finde das wirklich bewundernswert und es verdient meinen grössten Respekt.

    Zum Schluss vielleicht noch das: Um Trotzanfälle oder Generve muss man sich nicht liebevoll kümmern, aber man kann ganz viele Dinge vorher tun, damit die Trotzanfälle und das Gerneve etwas weniger werden… ;-)

    Wenn du magst, lies dich ein bisschen durch hier und lies dir vielleicht das hier mal durch:

    http://elternplanet.ch/2014/01/brief-an-die-eltern/

    Liebe Grüsse

  • Tina

    Ich weiß nicht was ihr habt. Ich bin alleinerziehnd, mein Kind ist fast drei, ich studiere nebenbei, ich habe weder die Zeit noch die Kraft mich um jeden Trotzanfall oder jedes Generve liebevoll zu kümmern. Wenn er bockt gibts Dusche. Fertig. Ist immer noch besser als Klaps oder Ohrfeige. Bis jetzt hats zwei mal gereicht. Es wird sicher keine dritte geben. Es reicht ein Wort und er gehorcht. Ich wurde als Kind selbst genau zwei mal geduscht und das von meiner Mutter. Ich habe weder einen Schaden, noch fühle ich mich gedemütigt. Ich kann und konnte mit meiner Mutter immer offen über alles sprechen und sie ist nach wie vor eine der wichtigsten Personen in meinem Leben. Kinder brauchen Grenzen, und wenns mal ein paar Schwälle kalten Wassers sind, na mein Gott.

  • saranova

    Gerade gestern stand in der Zeitung in einem kleinen Randartikel, dass ein Vater das mit seinem Kleinkind getan hat. Nur war das Wasser heiss und das Kind jetzt tot… Er sagt, er habe das Wasser aus Versehen heiss statt kalt eingestellt… Schrecklich traurig!

  • Alexa

    Ich danke für diesen Artikel und möchte erweiternd hinzufügen, dass ich selbst ein Opfer dieser „Methode“ erstmals schon am Wickeltisch wurde und heute noch traumatisiert bin-keine andere „Gewalteinwirkung“ hat mich so stark geprägt, wie diese, weil es ein natürliches Bedürfnis eines Kindes ist auch mal zornig sein zu dürfen-es kann sich ja noch nicht artikulieren, was ihm/ihrgerade nicht passt-vielleicht schmerzt.Eine Freundin von mir hat ähnliches erlebt, allerdings war sie da älter und für sie war es dennoch schmerzlich in Erinnerung und hat den Zorn nur verstärkt empfunden nach der Behandlung. Der Schock macht einem ohnmächtig und das prägt eine Kinderseele ungemein.Meiner Mutter hat diese Methode damals eine Kinderärztin empfohlen!! Schläge waren geringere Narben dagegen, aber dies würde ich auch nie empfehlen. Also allen Müttern und sogenannten Ärzten, die es gut meinen sei gesagt- ihr zahlt später die Psychotherapie dieser Kinder/Erwachsenen, die sich dann immer wieder in Macht/Ohnmachtsituationen zurechtfinden lernen müssen! Allen „Duschkindern“ sei gesagt, glaubt an euch, schämt euch nicht und fürchtet euch nicht vor eurem rechtmäßigem Gefühl wütend zu sein-macht euch auf den Weg und befreit euch von den Fesseln der Ohnmacht, um euer selbst Willen-lg Alexa

  • Andrea Mordasini, Bern

    Liebe Kathrin, danke vielmals für Deinen ergreifenden Artikel – Du sprichst mir als zweifache Mutter sehr aus dem Herzen! Was sind das bloss für Menschen, die kleinen wehr-, hilf- und schutzlosen Kindern Gewalt antun, und dies dann noch als sogenannte Straf- und Erziehungsmassnahme :(?! Da kann ich bloss traurig und bestürzt den Kopf schütteln… Claudia, beim Lesen Deines Erfahrungsberichts hatte ich Tränen in den Augen. Es tut mir extrem leid, was Dir Schlimmes in der Kindheit widerfahren ist :(! Egal ob die kalte Dusche, Ohrfeigen, Füdletätsch, Haare/Ohre ziehen, auf die Hände schlagen – Gewalt ist NIE eine Lösung, und wenn, dann die schlechtmöglichste! An Kindern in irgendeiner Art und Weise Gewalt anwenden (physisch, psychisch, verbal, sexuell,…) ist eine Charakterschwäche, unheimlich feige und gehört bestraft! Das perfide an der „Kalt-Dusche“ ist zusätzlich, dass keine Spuren wie blauen Flecken etc zu sehen sind… Ein Kind nicht zu schlage und gewaltlos zu erziehen und durchs Leben hindurch zu begleiten, hat nichts mit antiautoritärer Kuschelerziehung zu tun, sondern mit Anstand und Respekt gegenüber dem Kind und gesundem Menschenverstand seitens der Eltern. Wie soll ein Kind Respekt lernen, wenn ihm dieser wichtige Wert selber nicht entgegengebracht wird? Wie soll ein Kind lernen, nicht zu schlagen, wenn es im Gegenzug als Strafe ebenfalls geschlagen wird?! Wie sollen Kindern zu mutigen, starken, selbstbewussten, anständigen und ehrlichen Mitmenschen heranwachsen, wenn sie zu Hause Gewalt erfahren? Es ist an uns Erwachsenen, die jüngsten und schwächsten Glieder unserer Gesellschaft, Kinder und Jugendliche, vor Gewalt jeglicher Art zu bewahren und zu beschützen. Dazu braucht es vor allem auch Civilcourage, den Mut einzugreifen, statt nur feige und tatenlos zu- bzw wegzusehen. Mens chen (Nachbarn, Verwandte, Freunde,…) die

    von Misshandlungen und Missständen wissen bzw ahnen, jedoch nichts dagegen unternehmen, sollten ebenso belangt und bestraft werden, und zwar wegen unterlassener Hilfeleistung!

  • Barbara Egger

    Danke für den Artikel, Kathrin. Die Diskussion heute auf FB hat mich auch traurig gemacht und schockiert. Ich hoffe, durch deinen Artikel denken einige Mütter um!

  • Kathrin

    Liebe Claudia! Herzlichen Glückwunsch zu soviel Courage! Ich freue mich sehr zu lesen, dass auch andere den richtigen Weg gehen und sich gegen den Rest stellen!

  • Claudia Kruse

    Danke.

    Sie bereuen nicht die Bohne. Stattdessen wurde immer wieder betont, daß ich das (und all die anderen „Sanktionen“) mit meinem Verhalten herausgefordert hätte und sie gezwungen waren so zu handeln. Daß alles nach bestem Wissen und Gewissen geschah. Entschuldigung? Mitgefühl für die kleine Claudia von damals? Fehlanzeige!

    Als meine Tochter auf der Welt war, wurde mir immer wieder aufgedrängt, wie ich sie behandeln sollte. Als ich anfing mich dagegen zu wehren und meine gegenteilige Entscheidung begründete, wurde das als persönlicher Angriff gewertet und ich schlimm angegangen. Harmloseste Aussage dabei war noch „du wirst schon sehen, was du davon hast!“

    Ich habe lieber nicht gewartet, bis mein Mädchen in das Alter kommt, um sie zu „provozieren“. Im April 2007 habe ich mich von ihnen losgesagt und einen Neuanfang angeboten, wenn sie ihr Verhalten und ihre Einstellungen reflektiert haben und ehrliches Bedauern äußern könnten. Das ist bis heute nicht geschehen.

    Tja, schade. Ihren 2. Enkel haben sie nur selten als Baby mal gesehen und ihren 3. nie persönlich kennen gelernt. Meine Geschwister haben keine Kinder. Aber ist schon klar, daß ich die Böse bin und ihnen die Enkel entziehe, oder…?

  • Anne

    Es tut verdammt weh so etwas zu lesen!

    Eltern sollten eigentlich die vertrauenswürdige Anlaufstelle sein, die Zuflucht, die Geborgenheit, die Gerechtigkeit…
    Statt Dessen musstest du Vertrauensbrüche erleben, Abneigung spüren (als Kind denkt man wirklich,dass man gehasst wird-als Person gehasst), usw.

    Es tut mir furchtbar Leid,was dir passiert ist!
    Bereuen es deine Eltern? oder denken Sie bis Heute, es wäre die beste Methode? oder wird das Thema einfach Totgeschwiegen?

    L.G.

  • Franziska Fehr

    Noch nie gehört von dieser „Erziehungsmethode“. Aber ganz schlimm. Kommen mir fast die Tränen. Mein sind zwar noch klein, aber das wär mir noch nie in den Sinn gekommen!

  • nicole

    Liebe Kathrin, ich finde du hast absolut recht. ABSOLUT!

  • Claudia Kruse

    Danke für diesen Artikel. Ich war auch ein abgeduschtes Kind. Sehr oft. Anfangs bekleidet, später mußte ich mich nackt ausziehen dafür, damit ich nicht noch Extraarbeit wegen nasser Klamotten produziere. Ich wurde kalt abgeduscht, EISKALT! Einer hielt mich fest, der andere hielt die Brause über mich, so lange, bis ich von der Kälte am Kopf fast ohnmächtig wurde.

    Kaltes Wasser tut weh, und die Demütigung noch viel mehr. Es war Folter und statt Einsicht wuchs bei solchen Aktionen nur die Wut in mir. Wut auf die allmächtigen Eltern, die erlittene Ungerechtigkeit (oft genug wurde ich nämlich als Generalverdächtige abgestraft, obwohl einer meiner Brüder Mist gemacht hatte) und Hilflosigkeit machte sich breit. Hoffnungslosigkeit. Resignation.

    Bitte: hört auf eure Kinder als garstige, böswillige Wesen zu sehen. Streicht Vokabeln wie „Gören, Rotzblagen, Nervensägen“ usw. aus eurem Wortschatz, und lasst das gute alte Sprichwort wieder aufleben:

    „Was du nicht willst, das man dir tu, das füg auch keinem anderen zu!“