Ein perfekter Tag – in der Familienwerbung

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Uh ja.
In der Welt der Familienwerbung geht es zuweilen wirklich äusserst authentisch zu und her. Ihr kennt sie, diese Werbungen. Die so nerven.
Da ist zum Beispiel die Frau im Business-Kostüm und dem Smartphone am Ohr, die ein Kind auf dem Arm trägt und dazu eine Einkaufstüte gekonnt an zwei Fingern balanciert. Dazu die Frisur wie aus „Die Märchenhochzeit“, sexy High Heels, hübsches Make Up.
Dann der Kameraschwenk auf den blitzblanken Mercedes in der Einfahrt, den übernatürlich sauberen Hausflur. Da liegt nix rum, keine Turnsäcklein, keine Haarspangen, da gibt’s auch keine überquellenden Krimskrams-Körbe.
Dann der Schwenk zum nächsten Highlight:
Die „Wir-sind-alle-happy-am-Mittagstisch-und-essen-fröhlich-was-Mami-gekocht hat“ Werbespots. Mutti schöpft lächelnd, die mit viel Liebe selber hergestellten Gnocchi, alle mampfen fröhlich das Gemüse mit der Tütensauce.
Da gibt’s kein:
„Wääh, nicht schon wieder Brokkoli. Das hatten wir letzte Woche schon. Und ausserdem warum machst du nicht wieder mal Apfelkuchen, häääh?“
Alle Kinder halten ihre Beine unter dem Tisch schön still, niemand tritt den anderen ans Schienbein. Keiner schreit:
„Haaalt, Mamaaaa, die hat viel mehr Mozarella auf ihrem Teller als ich.“

Die Küche ist klinisch sauber, ein Schmetterling sitzt auf dem Blumenstrauss, die Fenster sind klar wie der Morgentau, eine harmonische Geigenmusik spielt im Hintergrund. Dann plötzlich kommt noch der Papa nach Hause. Alle rufen laut und freudig: „Hallo!“
Er zaubert natürlich einen Gutschein für eine Reise ins Wellness-Wochenende aus dem Aktenkoffer.
Die Kinderlein gehen brav spielen, während dem Mutti gemütlich draussen unter dem Apfelbaum auf der roten Holzbank sitzt und genüsslich einen Kinderriegel verspeist.

Danach Schnitt, auf die Geschirrspülmaschine.
Die sieht aus wie am allerersten Tag und Mrs. Perfect legt mit einem kleinen Seufzer, den dreckigen Spielzeug-Bagger hinein.
Oma und Opa die sind auch immer unglaublich smart und elegant. Die reden den Eltern auch nie in die Erziehung rein. Sie bringen Dankes-Schokolade mit oder machen die Wäsche oder sind sonst einfach total fröhlich.

In den Badezimmern ist es auch total authentisch. Keine Unterhosen, die vom gestrigen Duschen noch herumliegen, kein „ich-räum-den-nachher-grad-weg“ Haarföhn.
Alle Zahnbürstelein stehen in Reih und Glied, alle Zahnpastatuben sind zu und Zahnpasta-Spritzer hat’s logischerweise auch keine am Spiegel.
Das kleine Kind sitzt singend auf dem Klo und Mutti kommt grad mit der letzten gebügelten Wäsche zur Türe rein. Dazu hört man Engelsgesang.
Hallelujah!

Und zum Schluss des Werbeblocks gibt’s noch das friedlich schlafende Baby.
Nur in den Windeln, ist ja klar.
Oben glitzert das Mobile mit den Delfinen. Mutti kommt totaaaaal ausgeruht, mitten in der Nacht ins Zimmerchen und guckt, natürlich dezent geschminkt, im luftigen Negligé, ins Bettchen. Dann kommt leise noch der Mann ins Zimmer, legt die Hand auf Muttis Schulter und beide schmachten aufgeweckt den schlafenden Säugling an.

Ach ja und er bringt ihr nachher noch einen heissen Tee ans Bett.
Mit einem Zitronenschnitz.

 

  • Schwarzrapunzel

    Hehe, sehr gut beschrieben! :D

    Ohh ja, mir geht das auch immer auf den Keks. Aber ganz ehrlich, wer will das ernsthaft so haben? Ich nicht, ich käme mir da vor wie im falschen Film.

  • Nima Ofner

    haaahahahaaaa ich schmeiss mich weg, ist das bei euch nicht so?