Der Regenbogen wartet nicht

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„Mama, komm und schau dir meine Burg an, die ich gebaut habe.“
„Ja Schatz, ich komme gleich…“

„Mama, du musst mir rasch was helfen.“
„Ja Schatz, ich muss nur noch rasch…“

„Mama, spielen wir dieses Spiel zusammen?“
„Aber sicher doch, wenn ich das hier fertig…“

„Warte, Moment, ich komme gleich, ich muss noch rasch, wenn ich das hier erledigt habe, ich geh noch schnell, ich mach noch kurz, ich bin gleich bei dir…“
Und dann:
1 Stunde später schaust du auf die Uhr und denkst:
„Oha. Ich wollte doch eben noch rasch helfen, schauen, trösten, spielen, zuhören…“

Wir sind Meister im Vertrösten. Weil immer noch irgend etwas, schnell, rasch, kurz, erledigen müssen.
Meistens sind das gar nicht sooo wichtige Dinge. Also durchaus Sachen, die wir kurz auf die Seite legen, unterbrechen oder stehen lassen könnten.
Eigentlich wäre es ein Leichtes, schnell hinzugehen, zu schauen, zu helfen, zuzuhören und dann wieder mit unseren Dingen weiter machen.

Wenn wir es nicht tun, dann beginnen die Kids oft laut und fordernd zu rufen.
Das klingt dann etwa so:
„Maaaamaaaa, kooo-ooommst du jeeeetzt eee-eeendlich mal?“

Und wir schreien zurück:
„Jaaa-aaaa. Ich komme gleich. Jetzt waaa-aaarte doch rasch.“

Das Gebrüll ist somit in vollem Gange und zieht sich dann oft über mehrere Minuten hin und her und wir sind tief im Bauch schon wieder etwas hässig, über den ungeduldigen Nachwuchs.
Wären wir kurz hingegangen, hätten uns schnell das kleine Problemchen oder die Frage angehört und kurz geantwortet, dann wäre das in ein paar Minuten erledigt gewesen.

Manchmal sind es auch nur kleine Dinge, welche die Kinder uns zeigen wollen.
Eine tote Fliege im Zimmer, einen Wassertropfen an der Fensterscheibe, eine lustige Wolke am Himmel, die selbst gezeichnete Schatzkarte oder ein Bild von Ariana Grandes neuster Frisur.

Es geht nicht darum, dass Kinder nie einen Moment warten sollen.
Wenn wir mit ihnen vorher eine Abmachung getroffen und ihnen gesagt haben, dass wir jetzt noch dies oder jenes fertig machen und danach wieder zu ihnen kommen, ist das völlig in Ordnung.
Es geht um die vielen, kleinen Situationen dazwischen.

Also:
Wenn wir nicht gerade etwas äusserst Weltbewegendes, unendlich Wichtiges zu tun haben, dann können wir das, was wir gerade tun, ganz prima kurz unterbrechen und uns einfach rasch ein paar Minuten Zeit nehmen.
Solche kurzen Begegnungen und „Ich hör dir zu und bin für dich da“ Pausen sind unglaublich wertvoll und die Zeit, die wir uns dafür nehmen, fällt am Ende des Tages nicht ins Gewicht. Denn das Meiste, das wir gerade tun, ist morgen nämlich auch noch da.

Die Arbeit läuft Dir nicht davon, wenn Du Deinem Kind den Regenbogen zeigst.
Aber der Regenbogen wartet nicht, bis Du mit der Arbeit fertig bist.

(Chinesische Weisheit)

 

  • Ja, da geb ich dir Recht. Vielen Dank für den Link. :-)

  • Ich finde da passt der Artikel aus Papa Online sehr gut dazu. Er hat das auch sehr gut zusammengefasst.

    Siehe: http://papa-online.com/guter-vater/

    – sie wollen bei Dir sein, deshalb belagern sie Dich sobald Du von der Arbeit nach Hause kommst
    – sie wollen Ihre Erlebnisse mit Dir teilen und reden unablässig, wie ein Wasserfall
    – sie wollen von Dir wahrgenommen werden, deshalb rufen sie Dich alle 5 Minuten und zeigen Dir irgendetwas
    – sie wollen Dir zeigen, was sie alles können, deshalb findet in tausenden von Haushalten zwischen 18-20 Uhr die Papa-Show statt
    – sie wollen von Dir lernen und fragen Dir deshalb Löcher in den Bauch
    – sie wollen sein wie Du bist, können was Du kannst und machen Dir deshalb alles nach

    Ich glaube das trifft nicht nur auf den Papa zu, sondern auch auf die Mama!