„Es ist nur eine Phase…“

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„Hach, mein Sohn benimmt sich unmöglich. Er schreit und tobt, wenn ich ihm etwas sage und hören tut er sowieso nicht auf mich.“
Nur eine Phase

„Meine Tochter will nicht in ihrem Bett bleiben.“
Nur eine Phase

„Mein Kind ist so frech im Moment und will immer das letzte Wort haben.“
Nur eine Phase

„Mein Junge isst kein Gemüse, er will nur Teigwaren und Schoggikuchen.“
Nur eine Phase

Merkt ihr was?

„Ach, das ist nur eine Phase“

Dieser Satz wird ständig als Grund für ein Problemverhalten angegeben.
Was will man damit sagen?

„Nimm’s easy.“
„Lass dein Kind einfach.“
„Ich würde nicht gross darauf reagieren.“
„Irgend einmal kommt es dann von selber drauf, dass es etwas ändern muss.“
„Ich bin froh, dass es dir auch so geht, ich hatte das irgendwie auch nicht so im Griff.“
„Ich hab keine Ahnung was ich tun soll, also brauch ich das einfach als gute Ausrede.“

Klar gibt es Phasen oder besser gesagt Entwicklungsstufen durch die unsere Kinder hindurch müssen.
Die kommen und gehen und leider kann man sie auch nicht überspringen, wie zum Beispiel:

  • Die verschiedenen Ängste. Trennungsangst, Angst vor Gewittern/bösen Geistern/Monstern/dem Tod
  • Wenn Kinder ihren eigenen Willen entdecken und trotzen
  • Wenn Kinder plötzlich imaginäre Freunde haben
  • Stottern
  • Wenn Kinder immer so ein bisschen flunkern und die Unwahrheit erzählen.
  • Pubertät

Das sind einige „Phasen“, oder eben Entwicklungsstufen, die normal sind und dazu gehören. Trotzdem gibt es aber viele Möglichkeiten, die Kinder genau in diesen Entwicklungsstufen zu begleiten, ihnen zu helfen diese Entwicklungsschritte möglichst gut zu meistern, sie zu unterstützen, ein gutes Vorbild zu sein.

Vor allem dann, wenn Kinder sich in unseren Augen „daneben benehmen“, steckt immer etwas dahinter.
Das kann zu wenig Aufmerksamkeit sein, ein neues Geschwisterchen oder das Geschwisterchen, welches mobil wird und ins „Territorium“ des grösseren eindringt. Das kann auch ein Kindergarten- oder Schuleintritt sein, Unsicherheit, keine klaren Abmachungen oder Regeln oder eine der vielen Erziehungsfallen, in die wir Eltern immer wieder rein treten.

Nur einfach zu sagen: „Es ist nur eine Phase“ hilft da leider nicht viel weiter.

Deshalb ist es hilfreich genau hinschauen, um zu erkennen in welchen Situationen das passiert, was der Situation vorausging und wie man selber darauf reagiert.

„Es ist nur eine Phase“

Dieser Satz kann uns als Eltern natürlich ein bisschen beruhigen, er kann uns aber auch davon abhalten auf ein Problemverhalten zu reagieren.
Man wartet dann einfach zu lange, bis man sich irgendwo Hilfe oder einen Rat holt und etwas verändert. Aus einem Anfangs kleinen Problem, wird dann manchmal schnell ein grosses.

Was also kann man tun, wenn man das Verhalten nicht einfach nur als „eine Phase“ abstempeln will?

Seid besonders aufmerksam, beobachtet eure Kinder, nicht nur das Verhalten:

Wie geht es ihm, was fehlt ihm, was braucht es?

Warum lief es denn lange Zeit gut?

Was hat sich verändert?

Wie habe ich mich oder sein Umfeld verändert?

Was kann ich dazu beitragen, dass es wieder besser wird?

Hört euch selber mal zu. Gebt ihr vielleicht einfach zu viele Anweisungen?

Oder gar zu wenig klare?

Sucht das Kind einfach nur nach Aufmerksamkeit?

Ist es ihm vielleicht nur Langweilig?

Ist es vielleicht im Moment bei uns einfach ein zu grosses Thema, reden wir ständig über dieses Problemverhalten und machen es so zu etwas ganz Wichtigem?

Seid ihr selber genervt und gestresst und einfach schnell auf 180?

Seid ihr vielleicht deshalb auch etwas bequem geworden und habt Abmachungen und Regeln etwas „schleifen“ lassen und euch um allfällige Konsequenzen gedrückt?

Ja?
Eben.

Und deshalb ist es nicht einfach „nur eine Phase“, sondern vielleicht eher ein guter Moment über die eigenen Erziehungsstrategien nachzudenken, vielleicht auch Hilfe zu holen und etwas zu ändern.

 

 

  • TheSwissMiss

    Ich ärgere mich auch immer wenn Eltern das teilweise ganz einfach schlechte Benehmen ihrer Kinder einfach mit „es ist nur eine Phase“ abtun….grrrr. Guter Artikel. Danke.

  • Hallo Marianne
    Wenn du magst, dann schau dir mal das „Schlafvideo“ an, vielleicht findest du dort ein paar Tipps.
    Oder du schreibst mich mal im Forum (Kostenlose Online Erziehungsberatung) an.

  • Leisi

    Wir haben das bei unserer Tochter 7 Jahre gemacht, waren beim Kinesologen, Homöopath, Kinderarzt etc…Ihr Zwillingsbruder hat immer durchgeschlafen… dann die letzte Hoffnung Naturheilärztin, Bioresonanz und schon nach kurzer Zeit die erste Nacht durchgeschlafen… was war bei unserer Tochter??? Schimmelpilzallergie, Milch unverträglichkeit, Impfung nicht vertragen… da man den Schimmelpilz nicht sah, sind wir umgezogen und seit dann schlafen wir wieder 5 Stunden am Stück… Pure Lebensqualität… Der Zwillingsbruder hat seit dem Umzug keine Angina mehr gehabt… Komisch oder??? Ich sage nur es gibt Phasen und Phasen…

  • Marianne

    Die ganze Familie meint „dass ist nur eine Phase“ weil meine Kleine seit Mitte Februar will, dass ich während dem Einschlafen an ihrem Bett sitze und wenn sie in der Nacht (jede Nacht!) wach ist, zu mir spaziert um mich abzuholen, dass ich mich wieder an ihr Bett setze… Habe mir schon häufig Gedanken darüber gemacht, was seit Februar anders läuft, aber zu einer Lösung bin ich bis heute noch nicht gekommen! In meiner Familie kann ich nicht darüber diskutieren, da es „ja nur eine Phase“ ist… Ich bin fix und fertig, Schlafmangel bis zum „Geht nicht mehr“ und wäre froh, wenn „diese Phase“ endlich vorüber wäre…

  • Unsere Tochter (1.5 J) kann zwar ein paar Wörtchen sprechen. Dennoch sind wir noch nicht dahinter gekommen, warum sie „gerade eine Phase“ hat in der sie nachts zig mal erwacht und rumgetragen werden möchte. Aber wir bleiben am Ball. Danke für die Bestätigung, dass es eben nicht immer „vermutlich die Zähne“ oder eben „gerade eine Phase“ ist. Sondern Rätsel die es zu Lösen gilt.

  • daniela

    vielen dank für den tollen „denkanstoss“!! vielleicht mit etwas umdenken kann ich an den „phasen“ meines sone auch etwas ändern ;-)