Trotz-Wut und Schreiattacken vorbeugen

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Übers Vorausplanen hab ich euch schon einiges erzählt. In den Videos und auch in den Blogbeiträgen erwähne ich es immer mal wieder und wer es regelmässig macht, der weiss, dass man sich damit sehr viel Ärger ersparen und die Nerven schonen kann.
Obwohl ich weiss, wie wichtig dieses Vorausplan-Dings mit Kindern ist, bin ich selber immer wieder erstaunt, wie alles in die Hose gehen kann, wenn man es eben nicht tut. Also, erstaunt bin ich eigentlich nicht, eher sauer auf mich, dass ich mir nicht diese paar Minütchen Zeit genommen und kurz mit den Kids über das „Wie, Wohin, Wann, Wer, Warum“ geredet habe. Es braucht so wenig Zeit und ist wirklich hilfreich.

Natürlich kann man nicht alles vorausplanen und auch nicht immer wissen, welche kleineren oder grösseren Erziehhungskatastrophen jeden Tag auf uns zu kommen.
Dass dieses wunderhübsche, selbst gebastelte Glas aus dem Kindergarten, kurz nach dem nach Hause kommen, auf dem Küchenboden zerschellt, konnte niemand ahnen.
Dass der Junge auf dem Spielplatz ausgerechnet über den Sandkuchen eures Kindes stolpert, auch nicht.
Dass bei der Mini-Disco auf dem Campingplatz der Strom ausfällt, noch viel weniger.

Aber es gibt so viele Situationen, von denen wir wissen, dass sie tagtäglich schief gehen können. Und genau um diese geht es: Wir können die nämlich im Hinterkopf behalten und uns und unsere Kids schon im Vorfeld darauf vorbereiten. Sicher ist sicher.

Euer Kind bringt das genau gleiche Geschenk an den Kindergeburtstag, wie das Kind der Nachbarin.
> Kind ist todtraurig, will nicht mehr bei den Spielen mithelfen und beschimpft euch dann beim nach Hause kommen, warum ihr ein so doofes Geschenk gekauft habt.

Das Essen bei Oma schmeckt nicht.
>Kind sagt ganz laut: „Uaaaah, dieses Essen mag ich aber überhaupt nicht. Das ist wirklich grauslig, das esse ich nicht.“

Beide Kids kommen vom Strand und wollen beide, gleichzeitig duschen gehen.
>Beide wollen natürlich, ist ja sonnenklar, genau das gleiche Duschmittel und genau die gleiche Pflegespülung mitnehmen. Ein Riesengeschrei!

Ihr kommt spät von einem Besuch nach Hause, es reicht nicht mehr für die Gute Nacht Geschichte. Ihr eröffnet diese tolle Nachricht den Kids beim Zähne putzen.
>Ihr wisst, was passiert…

Das Kind hat eine tolle Legoburg aufgebaut, ihr wollt aber unbedingt am nächsten Morgen früh staubsaugen (warum auch immer). Ihr räumt die Burg weg. Am Mittag, wenn das Kind nach Hause kommt…
>Ihr wisst, was passiert…

Ihr sitzt am Tisch und mixt schon mal den Sirup zusammen oder giesst die Getränke ins Glas. Natürlich nur, aus reinster Mutterliebe.
>Kind schreit, wie am Spiess: „Ich will selber den Sirup eingiessen, jetzt trink ich den Scheisssirup nicht mehr.“

Diese Beispiele sind beliebig erweiterbar und ihr kennt sicherlich noch tausend andere. :-)

Also, was tun?
Ist der Krieg schon ausgebrochen, das Geschrei in vollem Gange, dann:
Könnt ihr euch heimlich an den Kopf fassen oder hauen und denken: „Ok, Mutti, warum schreit mein Kind so, was lief da falsch? Was hätte ich anders machen können?“
In den meisten Situationen werdet ihr merken, dass eine kleine Bemerkung am Anfang, ein kurzes Gespräch, eine Diskussion über allfällige Regeln und Erwartungen, das Ganze nicht so dermassen hätte eskalieren lassen.

Sagt den Kindern nicht einfach, was sie tun sollen, sondern versucht vorher mit ihnen zusammen eine Lösung zu besprechen.

„Es könnte sein, dass sie das Geschenk schon hat oder von einem anderen Kind das Gleiche bekommt. Was könntest du dann tun und sagen?“

Wenn ihr essen geht, fragt wenn’s geht schon vorher, was es gibt, dann könnt ihr eure Kids schon ein bisschen darauf vorbereiten.
„Wenn wir beim Essen sind und du irgend etwas nicht so gerne hast oder nicht so kennst, was könntest du dann tun?
Was denkst du, wie ist es für die Oma, wenn du ganz laut rufst: Iiiihhh, wääääh, das esse ich nicht? Was wäre vielleicht besser?“

Vor dem Duschgang die Kids kurz fragen:
„Hey, wer von euch duscht zuerst? Ach so, beide wollen gleichzeitig gehen? Wie wollt ihr das machen mit den Shampoos und Duschgels? Wer nimmt was, wollt ihr es euch rüber reichen?“

Die Gute Nacht Geschichte, evt. schon beim Besuch erzählen oder vor dem nach Hause gehen bereits ankünden, dass es spät ist und dass es für die Gute Nacht Geschichte heute nicht mehr reichen oder dass sie etwas gekürzt wird. Dann wissen das die Kinderlein nämlich bereits, wenn ihr zur Türe hereinkommt und werden nicht von dieser Tatsache überrascht.

Das Staubsaugen vorher ankünden, damit das Kind weiss, dass es nur eine temporäre Burg sein wird oder zusammen einen guten Platz heraussuchen, wo sie vor dem Staubsauger in Sicherheit ist.

Vor dem Essen, den Sirup oder die Getränke einfach stehen lassen und das Kind einschenken lassen oder wenn es noch nicht ganz alleine geht, Hilfe anbieten.

Lasst eure Kids viele Dinge alleine tun, das ersparte eine Menge Ärger, helft ihnen nur so viel wie nötig und lasst es sie dann alleine probieren.
Überlegt euch vor Reisen, Ausflügen und während des Tages immer kurz: Was läuft als nächstes hier bei uns und sagt das den Kindern rasch. Es ist so ein bisschen wie „laut denken“, was tut ihr, was passiert als nächstes, geht ihr mit dem Fahrrad einkaufen, zu Fuss oder mit dem Auto?
Sagt, dass sie beim nächsten Mal, wenn ihr ins Zimmer kommt, die Hände waschen und zum Essen kommen müssen. Noch einmal ums Haus fahren, noch zwei Mal auf die Rutschbahn, noch die Autos parkieren und dann ist es soweit.
Wenn ihr euren Kids immer wieder diese kurzen Infos gebt, vorher über die wichtigsten „W-Fragen“ gesprochen habt, werden ganz viele Situationen ruhiger ablaufen. Die Kids sind darauf vorbereitet, die Anweisungen kommen nicht aus heiterem Himmel und es trifft sie nicht wie ein unvorhergesehener Sturm. Ihr könnt das recht kurz und knapp machen, ohne bis ins letzte Detail zu gehen, nicht dass es im „Zutexten“ ausartet. ;-)

Warum muss man denn Kinder immer darauf vorbereiten, die müssen das doch auch lernen, dass man nicht immer alles planen kann?
Klar. Werden sie auch. Es gibt noch genug Momente, auf die wir wenig oder keinen Einfluss haben, in denen wir Trotzanfälle, Schrei-, Wut- und Enttäuschungsanfälle ertragen müssen.
Wenn man in den anderen 2345 Situationen, mit ein bisschen vorausdenken und planen, die Nerven etwas schonen kann, dann schont sie.
Tut es, ihr werdet es nicht bereuen.