Ein Passwort gegen Kindesentführungen?

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Auf Facebook geistern ja so allerhand Meldungen herum. Dass man die oder die Seite liken soll und man dann ganz viele iPhone gratis bekommt. Oder dass man Bild X teilen soll, wenn man sein Kind oder seinen Hamster liebt. Wer gegen Tierquälerei ist, der soll das Hundebild liken, wer Kuchen mag klicke doch auf das Kuchenfoto und auch wer angefressene Pfunde loswerden will, der findet irgend einen tollen Spruch, ein Bild oder sonst irgend einen Schwachsinn den er oder sie verbreiten kann.
Manchmal gibt es aber auch Meldungen, die zwar langsam nerven, weil man sie STÄNDIG irgendwo gepostet sieht, aber doch grundsätzlich nicht so schlecht sind.

Eine davon ist diese Nachricht:
(zum Lesen, einfach aufs Bild klicken)
Das mit dem Passwort ist sicher eine Idee, die in gewissen Situationen hilfreich sein kann. Die Frage ist nur: Wissen die Kinder in der Situation das Passwort noch? Was tun, wenn der „Entführer“ (der hat die FB Meldung vielleicht auch gelesen) meint: „Du, deine Mama hat gesagt, dass du das Passwort nicht sagen musst.“ Und damit hat auch schon ein Dialog begonnen, den man ja eigentlich tunlichst vermeiden wollte. „Sprich nur mit Leuten, die du kennst.“

 

 

Ein Passwort abzumachen ist also sicherlich nicht ganz verkehrt. Ich finde es gibt aber ein paar weitere Punkte, die wichtiger sind und die ihr nicht vergessen solltet:

1. Schon von Anfang an darauf achten, dass die Kids immer schnell sagen wo sie gerade hin gehen. Egal ob auf dem Spielplatz, im Quartier oder im Schwimmbad.

2. Immer mal wieder mit den Kindern, z.B am Mittagstisch mögliche Situationen „durchspielen“.
Nicht einfach Dinge verbieten, schimpfen oder gleich die „richtige Lösung“ vorgeben. Lieber Fragen und Gegenfragen stellen: „Was würdet ihr tun, wenn euch jemand nach dem Weg fragen würde und er möchte, dass ihr mit ihm bis zum Auto mitkommt?“ – „Was tut ihr, wenn euch jemand nach eurem Namen und  eurer Adresse fragt, den ihr nicht kennt?“
Solche Diskussionen sind wichtig, weil man mit den Kindern zusammen mögliche Lösungen und Antworten suchen kann. „Warum sollte man den Namen nicht preisgeben? Was tun, wenn jemand euch beim Auto etwas zeigen will? In welcher Situation müsst ihr nach dem Passwort fragen?“ „Was tun, wenn euch plötzlich jemand packen oder anfassen will?“
Aufpassen, dass man das so sachlich wie möglich bespricht und den Kids keine Angst macht. Es gibt immer mal wieder Situationen, in denen solche Gespräche durchaus rein passen und Sinn machen.

3. Den Kindern einschärfen, dass wenn es ihnen unwohl ist, sie etwas Merkwürdiges beobachten, sich immer an euch oder sonst einen Erwachsenen wenden sollen.

4. Wenn immer möglich zu zweit unterwegs sein.

5. Den Kindern früh lernen „Nein“ zu sagen. Wenn Kinder keine Lust haben, auf den Schoss der Grosstante zu sitzen, der Oma einen Kuss zu geben, fremden Leuten die Hand zu geben, dann akzeptiert das und achtet darauf, dass die Kids diese „Abgrenzungen“ bewahren dürfen. Es ist ok, einmal „Nein“ zu sagen, wenn man Berührungen nicht mag oder keine Lust auf Geknutsche hat. Ich habe dazu auch schon mal ein Video gemacht. Schaut mal hier.

6. Das eigene Facebook/Instagram Profil schützen. Keine Wohnorte/Namen und vor allem keine Kinderfotos posten, auf dem die Kinder identifiziert werden können.
Gilt auch für die Profile der Kids.
Wer Kinder hat, die schon in sozialen Netzwerken unterwegs sind:
Schaut zusammen die Sicherheitseinstellungen an. Wer kann meinem Kind folgen? Profile schützen, damit zuerst eine Freundschaftsanfrage gestellt werden muss.
Ortungsfunktionen ausschalten! Es muss niemand wissen, wo das Kind genau wohnt. Mit den Kindern immer mal wieder die Bilder und Postings durchgehen, Fragen und Gegenfragen stellen: „Was denkst du, ist das ein gutes Bild für Facebook? Warum sollte man seinen Jahrgang nicht im Nicknamen haben? Warum sind Spiele wie „20 Fakten über micht“, die einfach alles vom Hobby bis zum Geburtsdatum Preis geben, nicht unbedingt geeignet um auf Instagram zu stellen?“ usw.
Zum Thema „Sicherheit und Instagram“ habe ich schon mal ein Video gemacht, schaut mal hier.

Ein gutes Buch um das „Nein“ zu üben ist das hier:

 

 

 

 

 

Bestellen könnt ihr das Buch direkt im Büchershop. Unter „Schutz vor sexuellen Übergriffen.“

6. Daran denken, dass die meisten Übergriffe nicht vom grossen, bösen, fremden Mann verübt werden, sondern von Leuten aus dem direkten Umfeld der Kinder. Menschen, welche die Kinder kennen und meistens sogar noch vertrauen.

Noch mehr Tipps dazu findet ihr hier im Video: