Einen Kaffee ohne Kindergeschrei bitte

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In Ruhe den Kaffee geniessen...Es gibt einfach Dinge die nerven. Laubbläser zum Beispiel. Oder mag irgend jemand hier Laubbläser? Eben. Oder verspätete Züge oder wenn es 35 Tage am Stück einfach nur Scheisswetter ist. Oder wenn man vorne bei der Kasse steht und merkt, dass man sein Portemonnaie vergessen hat.
Und so wie es einfach Dinge gibt, die nerven, gibt es auch Dinge die ganz besonders in Restaurants nerven. Frau Freitag hat in ihrem Blog eine solche Sache erklärt und erläutert. Auf der Elternplanet Facebook Seite wurde danach sehr ausführlich darüber diskutiert.
 

Kinder die laut und kreischend, am liebsten noch mit den Waldspielgruppe-Schuhen in Restaurants rumrennen und auf Polstern rum hüpfen finde ich auch störend. Hui ja, wirklich.
Nervig finde ich aber auch Menschen in Restaurants, die sehr laut telefonieren, oder noch ihre Tastentöne-Blub-Bling-Doings eingeschaltet haben und eine halbe Stunde lang SMS verschicken. Oder Damen und Herren die unglaublich stark nach Parfüm riechen oder die Nörgel-Omis, die einfach nur im Café sitzen und über alles mögliche schimpfen. Mich nerven aber auch unfreundliche Bedienungs-Frauen oder Herren, oder wenn es im WC kein Toilettenpapier hat, wenn ich für einen Teebeutel mit etwas Wasser 6 Franken 50 bezahlen soll oder wenn ich ständig fragen muss: „Ehm, könnte ich noch etwas bestellen, bitte.“
So. Es gibt einfach Dinge die nerven. Einige von euch werden sich über die gleichen Sachen nerven wie ich, andere werden denken: „Hä, wo ist das Problem?“
Das Problem ist wohl einfach, dass wir alle andere Ansprüche haben. Vom Leben und auch von Restaurants oder Cafés. Und trotzdem kommt es immer wieder vor, dass wir unterschiedlichen Wesen uns im Leben aber auch in Restaurants oder Cafés über den Weg laufen und irgendwie miteinander zu Recht kommen müssen. Wer mit Kindern unterwegs ist, der muss wissen, dass nicht alle Kaffeeschlürfenden es so toll finden, wenn die Kinderschar in der Kaffee-Bude verstecken spielt. Deshalb ist ein wenig Rücksicht und etwas Vorausplanung gefragt. Kinder verstehen nämlich sehr wohl, dass Starbucks oder das Café Wiener nicht das Gleiche sind, wie der Robinsonspielplatz. Kinder sind toll, ok manchmal auch etwas ungestüm und laut, aber wenn sie wissen, was wir von ihnen möchten, dann klappt das auch. Meistens.
Also sagt man ihnen vorher: „Hey Jungs und Mädels, wir gehen jetzt dort rein etwas trinken. Wir gehen leise, ohne Gebrüll und suchen uns dann einen Tisch. Schaut mal auf eure Schuhe.“ – „Dreckig.“ – „Genau. Was könnten wir machen, damit wir nicht den ganzen Laden einsauen?“ – „Am besten ausziehen.“ – „Gute Idee.“ – „Wenn wir dann bestellt haben, geht es einen Moment und ihr dürft dann ein bisschen zeichnen.“
Immer wieder kurz erklären, was jetzt passiert, was man von den Kindern möchte und das dann positiv formulieren, ist gar nicht so aufwändig und funktioniert auch. Gebt den Kindern was zu tun, zum zeichnen, spielen, anmalen, nehmt ein paar kleine Spielsachen mit, dann ist der Drang das Restaurant zu entdecken auch etwas weniger gross. Werden sie unruhig und quengelig, dann zahlt und geht. Kinder empfinden Wartezeiten, also Momente in denen nix passiert nämlich etwa drei Mal so lang wie wir Erwachsenen. Also 1 Stunde im Café  zu sitzen, ist für Kinder etwa so lang wie 3 Stunden im Café zu sitzen.
Nerven tun nämlich nicht die Kinder, sondern die Eltern, welche ihre Kinder nicht richtig darauf vorbereitet haben, ihnen nix zu tun geben, einfach ihren Latte Macchiato schlürfen , ihre Sachertorte mampfen und denken: „Prima hier. Sind halt Kinder, die rennen halt herum.“
Egal ob Kopfhörer-Heini mit dröhnender Musik, Nörgel-Omis, Laut-Telefonierer oder Eltern mit lustigen Kindern: wenn mehr als zwei andere Menschen um uns herum sind, müssen wir alle ein bisschen Rücksicht nehmen.
Und was denkt ihr? Wenn man das dem Kopfhörer Heini, der Nörgel-Oma, dem Laut-Telefonierer oder den Kindern vor dem Eingang des Restaurants so sagen würde, wer würde sich am besten daran halten?
Eben.

 

  • Andrea Mordasini, Bern

    Eigentlich ists ein Armutszeugnis, dass über Kinder und Kinderlärm immer wieder so kontrovers diskutiert werden muss… Ich bin selber Mutter zweier eher wilder, lebhafter und lauter Kinder (bald 6 und bald 4,5) und hin und wieder mit ihnen in einem Restaurant anzutreffen. Wie sollen sie diese Erfahrungen machen können, wenn wir sie nicht mit ins Restaurant nehmen und am öffentlichen Leben teilnehmen lassen? Gerade Mütter, die die meiste Zeit um und mit den Kindern zusammen verbringen, haben ein Anrecht auf soziale Kontakte, auch ausserhalb der eigenen vier Wände. Und da gehören neben Spielplatz- auch ab und zu Restaurantbesuche dazu. Dass ich meine nicht gerade ins Schickimickilokal schleppe, ist für mich aber selbstverständlich. Es muss aber auch nicht immer das typische Selbstbedienungsresti mit Spielecke à la Coop, Migros, Manor bzw. Ikea sein. Hauptsache es ist eines, wo Kinder herzlich willkommen sind! Solange sie beschäftigt sind mit Büchlein anschauen und Zeichnen, ists meistens kein Problem ;). Ich verzichte sehr gerne aus Rücksicht auf meine Kinder auf irgendwelche Events oder organisiere für einen kinderfreien Abend einen „Hütedienst“. Doch ich lasse mich nicht bevormunden und mir vorschreiben, was ich wann, wie und wo mit meinen Kindern zu tun bzw. zu unterlassen habe. Ich entscheide immer noch gerne selber über unsere Alltags- und Freizeitgestaltung! Meine Kinder können sich übrigens benehmen, auch auswärts. Sonst werden sie anständig ermahnt. Und laute Kinder sind nicht per se schlecht erzogen (und die Eltern mit deren Erziehung überfordert), sondern schlichtweg Kinder, die sich bei Spiel und Spass auch mal vergessen (dürfen). Und rumrennen lasse ich sie im Restaurant schon nur aus Sicherheitsgründen nicht. Die Gefahr, dass sie dabei mit Personal und/oder Gästen zusammenstossen und sich an brühend heissen Tees, Suppen oder Wasser verletzen, ist mir da zu gross. Neben vielen tollen Erfahrungen machte ich vor einem Jahr ausgerechnet im Selbstbedienungsrestaurant mit Kinderspielecke eine schlechte! Da haben sich ältere Leute doch tatsächlich ab meinen und anderen etwas laut, aber total friedlich spielenden Kindern geärgert und diese lauthals und respektlos angeschrien (Saulärm, Saugoofen). Solche Situationen machen mich wütend und traurig! Da kann ich bloss verständnislos den Kopf schütteln und mich wortstark für die Kinder wehren. Denn schliesslich benehmen sich da nicht die Kinder daneben, sondern die Erwachsenen! Wer in einem solchen Fall Probleme mit Kindern hat, hat wohl am ehesten Probleme mit sich selber… Warum setzen sich Nörgler und Kinderlose auch „Ums Verroden“ in ein solches Familienrestaurant und dann noch ausgerechnet in die Nähe Spielecke, wenn es weiter hinten noch genügend Platz bzw. noch weitere Restaurants in der Umgebung hätte?! Ich setzte mich früher als Nichtraucherin auch nicht extra im Zug ins Raucherabteil, um dann über die Raucher, den Rauch und den Gestank abzulästern… Eine Gesellschaft, wo Kinder-, Kinderwagen- und Stillverbote langsam aber sicher salonfähig werden, stimmt mich jedoch sehr nachdenklich und traurig :(. Da frage ich mich schon, wo uns diese Kinderunfreundlichkeit/Kinderfeindlich noch hinführen wird… Es kann nicht sein, dass Erwachsene von Kindern und Jugendlichen Anstand und Respekt erwarten und verlangen, ihnen diese – für mich auch wichtigen Werte – jedoch nicht entgegenbringen. Auch Kinder haben, trotz mangelnder Lebenserfahrung, ein Recht auf respektvolle Behandlung! Kinder sind nicht Lärm- und Störfaktoren, sondern können eine Bereicherung für alle sein. Einige dieser Motzer meinen leider, sie seien bereits als ruhige, stille, brave, lebenserfahrene und wohl erzogene Erwachsene auf die Welt gekommen – traurig, aber wahr… Dabei ist es doch wie überall ein Geben und ein Nehmen, bloss sollte dies ausgeglichen, ausgewogen und nicht einseitig sein. Kinder sind und bleiben ein wichtiger Teil dieser Gesellschaft. Sie gehören in unser Leben, in unseren Alltag und in unsere Welt. Sie sind und bleiben unsere Zukunft, die Gäste und Kunden von morgen und die zukünftigen AHV-Mitfinanzierer. Sie lassen sich nicht wegzaubern, bloss weil sie einigen Kinderlosen und Griesgramen nicht in den Kram passen. Mit etwas mehr Mit- und Füreinander statt Gegeneinander, etwas mehr gegenseitigem Leben und leben lassen, weniger Anfeindungen, Vorurteilen, dafür mehr Toleranz, Akzeptanz, Respekt, Anstand, Verständnis, Rücksicht, Hilfsbereitschaft, Lockerheit und gesundem Menschenverstand auf allen Seiten sollte einem harmonischen und friedlichen Zusammenleben bzw. Restaurantbesuch eigentlich nichts mehr im Wege stehen ;).