„Einmal Alltag bitte!“

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Hallelujah! Es ist vollbracht. Die Ferien sind um, der Alltag hat uns wieder. Dass ich so einen Satz irgendwann mal öffentlich posten würde, hätte ich definitiv nie gedacht.
Weil: Ich liebe Ferien über alles.
Ferien sind das aller tollste.
Einfach nichts tun, faulenzen, ausschlafen, an der Sonne liegen oder noch besser: grad direkt am Strand.
Und je mehr Ferien und je längere umso besser.
DAS, war früher einmal. Jetzt haben wir Kinder und alle Ferien, die länger als 3 Wochen dauern, sind definitiv nicht gut für meine Nerven. Oder mit anderen Worten: Nach 5 Wochen Ferien, bin ich reif für die Insel – ALLEIN.

Denn in 5 Wochen Ferien, gehen sich zwei 9- und 10-Jährige noch mehr auf den Sack als sie sich sonst schon auf den Sack gehen. Dazu kommt eine permanente, geistige Unterversorgung, zu wenig Schlaf und ein Rhythmus, der eigentlich gar keiner ist, weil jeder Tag immer so ein bisschen anders läuft als normal. Uff.
Am Schlimmsten ist es in den letzten zwei Wochen und da kommt bei mir immer wieder die Frage auf: Warum finden alle die Ferienpass-Angebote eigentlich immer in den ersten zwei und nicht in den letzten zwei Ferienwochen statt? Wenn Eltern mit den Nerven am Ende sind und froh wären, die Kids würden Indianerzelte basteln, töpfern und im Stroh übernachten. Warum gibt es das Pfadi Sommerlager nicht erst gegen Ende der langen Ferienzeit, weil Eltern und Kinder dann nämlich froh wären, sie könnten sich ein bisschen aus dem Weg gehen? *beiunsistdasaufjedenFallso
Nicht dass ihr jetzt denkt, wir hätten schreckliche Ferien gehabt. Um Himmelswillen, nein. Es war ganz toll und es ist auch durchaus entspannend, gemeinsam unterwegs zu sein und wir haben das auch sehr genossen. Aber: Die fast 24 Stunden-Überwachung von Schwester A zu Schwester B und umgekehrt ist eben auch anstrengend. Auch für die Eltern. Mit „sie“ ist übrigens immer die kleine/resp. die grosse Schwester gemeint.
Das klingt dann zum Beispiel so: „Sie hat ihr Badetuch in den Dreck geworfen, sie ist schon wieder am gamen, sie hat dort den Stein aufgelesen, sie hat mehr Sirup als ich im Glas, sie nimmt meine Flossen, sie hat jetzt aber auch mehr Eistee als ich, sie hat ihre Füsse auf meinem Sitz, ihre Frisur sieht total doof aus“ *Beispielebeliebigerweiterbar
Und dann gibt’s noch die grausamen Ungerechtigkeiten und die unlösbaren Probleme die in den Ferien auch irgendwie auffälliger und anstrengender sind: „SIE musste gestern nicht abwaschen, weil wir auswärts essen waren, ich will den Vorhang aber offen lassen, sie hat heute morgen gesungen und mich geweckt. Das ist mein Fisch, den hab ich gefangen. Hier auf diesem 10 Kilometer langen Sandstrand, wollte ich genau hier, wo sie jetzt ihr Tuch hingelegt hat, meines hinlegen. Ich brauch die Jacke jetzt zwar grad nicht, aber sie darf sie nicht anziehen, weil es meine ist.“ Hunderte von weiteren Beispielen könnt ich da jetzt aufzählen. Und weil es im Urlaub oft nur wenige Rückzugsmöglichkeiten gibt, weder für Eltern noch für Kinder, ist es eben gerade so unglaublich anstrengend. Und eben weil es kein: „Zähne putzen in zehn Minuten müsst ihr los in die Schule“ gibt und man ständig irgendwie um einander herum schleicht, ist es nervenaufreibender. Ich geb’s zu. Ich habe mehr gedroht und das Nervenkostüm war viel angespannter, als während der normalen „Schulzeit“ wenn ich ab und zu eine Verschnaufpause habe, weil sie eben in der Schule, im Karate, im Volleyball, Kinderchor, Turnen, am Bastelnachmittag, Geburtstagsfest oder bei einer Freundin zu Besuch sind.
Jetzt läuft die Schule wieder. Und es ist gut so.
Und ich tanke jetzt wieder ein bisschen Energie, denn in sechs Wochen beginnen schon wieder die nächsten Ferien.