Ich bin mal schnell auf der einsamen Insel

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Kennt ihr das auch? So Tage. Da geht der Kaffee aus, in der Waschmaschine liegen Millionen von Taschentuch-Fetzen *wiedermalsoeinDingmitgewaschen, die Augenringe waren auch schon mal kleiner, die Abwaschmaschine müffelt, beim Eingang liegt Kinderkram herum: also von Velohelm, über nasse Socken, bis hin zu Bibliotheksbüchern. Bei den Mädels herrscht Zickenkrieg, die Zimmer sehen aus als hätte eine Bombe eingeschlagen, die Zahnarzthelferin ruft an: „Sie hätten heute um 14 Uhr einen Termin gehabt“.

Die Schoggiverpackung klebt rechts am Abfallsack, die nasse Jacke von Kind A liegt auf der Treppe, der Reis vom z’Mittag klebt noch an den Socken, der Wäschekorb quillt über, das Gefrierfach lässt sich kaum mehr schliessen *jemandsollteesmalwiederabtauen, die Nachbarskatze hat wieder mal auf den Rasen geschissen, dann regnet es auch noch, die Hosen sind zu eng, der nervige Typ am Telefon, will euch irgend so ein Schwachsinns-Abo andrehen, ihr kommt vom Einkaufen zurück und seht, dass ihr das Dachfenster offen gelassen habt *jaesregnetimmernoch, der Kinderchorplan der Tochter ist unauffindbar *weilihrihnvoreinerWocheinsAltpapiergeschmissenhabt.
Alles geht schief, ist blöd und die Kids nennen auch freundlicherweise auch noch grad die „Aller…. (hier ein beliebiges Adjektiv wie doof, blöd, nervig, einsetzen)-Mama.

Ja ihr habt Recht: In solchen Momenten könnte man durchaus an all das schreckliche Elend in der Welt denken, an die Kriege, die Hungersnöte, die Ungerechtigkeiten und die eigenen Probleme würden einem wohl dann ganz klein und nichtig erscheinen.

Aber ganz ehrlich:
Mir gelingt solches dann jeweils nicht. Ich bin dann einfach nur sauer und frustriert und genervt und möchte mich auf eine einsame Insel beamen. Die Kinder, den Haushalt, die Arbeit, alles würd ich natürlich hier lassen. Dort würd ich am Strand liegen, nette Menschen würden mir Kokosnüsse vorbeibringen und ein Gläschen Champagner dazu, ich würde im warmen, kristallklaren Meer schwimmen, ein toller Koch würde mir alles Essen zaubern was ich mir wünschen würde, das iPhone wär immer aufgeladen, ich würd meine Lieblingsmusik in der Endlosschleife hören und am Abend vor dem Feuer den Sonnenuntergang anschmachten.

Schön wär das.
Wirklich schön.

Aber leider warten keine Kokosnüsse.
Nur Wäschekörbe.

Kein Gläschen Champagner.
Nur eine volle Geschirrspülmaschine und ein Streit im Badezimmer wegen einer Zahnpastatube. :-)

  • mary

    Liebe Kathrin

    Ich wollte es dir schon lange sagen, habe es bisher aber nie geschafft: Du sprichst mir so oft aus dem Herzen. Gerade mit diesem Beitrag hast du den Nagel wieder mal auf den Kopf getroffen. Bei mir gibt‘ also auch so Tage.;-) Vielen Dank dir für deine Arbeit, für all die Artikel, Videos und Ratschläge. Ich schätze all das wirklich sehr. Ich muss dich auch unbedingt mal zum Kaffee einladen. Hoffe, ich schaffe es bald. Liebe Grüsse
    Mary