Der Scheiss-Velohelm

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Es geht ums Velo (für alle Nicht-Schweizer, das ist ein Fahrrad). Zugegeben, wir sind jetzt nicht unbedingt DIE „Vorzeige-Velofamilie“. Wir haben zwar alle eins, aber brauchen tun wir es eher so für kleinere Ausflüge. Auf die Pässe und in die anderen Städte fahren wir dann doch lieber mit dem Auto.
Früher, als wir noch keine Kinder hatten, war das mit dem Velofahren irgendwie einfacher. Man schnappte sich einfach den „Göppel“ (salopp, für Velo) und fuhr schnell ins Migros einkaufen oder in die Badi. Einfach so, wie man grad war mit Rock oder Flip Flops und natürlich: Oben ohne. Nein, nicht das was ihr vielleicht jetzt denkt, ich mein OHNE HELM.

Wisst ihr, ich finde Velohelme wirklich ganz schrecklich.
Bevor mich jetzt die Velofraktion steinigt, muss ich das kurz etwas aussführen.
Also. Ich find Velohelme schrecklich, weil:

-sie mich einengen
-unbequem sind
-meine Frisur ruinieren
-ich mir vorkomme wie ein Eierkopf
-sie mich würgen
die Liste kann beliebig lange fortgesetzt werden.

JA, ich weiss und ihr habt alle Recht wenn ihr jetzt denkt: „Was kümmert sie sich um die Frisur? Wenn sie dann ohne Helm aber dafür mit offenem Schädel auf dem Trottoir liegt, nützt ihr die Frisur auch nix mehr.“ *Scheissesiehtstrotzdemaus
Eben und jetzt sind da die Kinder. Denen schärf ich, seit sie auf dem Velo sitzen können ein, dass sie nur mit dem Helm auf den Sattel dürfen. *ihrmerktworaufichhinauswill
Müssen sie den Helm tragen, dann muss ich es auch. Ist ja wohl sonnenklar. Also steck ich mir jedes Mal das hässliche Ding auf den Kopf, denk an den Wassermelonenspot und überhöre auch immer so charmante Bemerkungen meiner Kinder, wie: „Mama, du siehst mit dem Helm komisch aus.“
Und ich geb’s zu. Manchmal vergesse ich ihn auch. *ganzschlechtichweiss
Nicht, dass die Kinder das nicht merken würden: „Mama, du hast den Helm nicht auf.“ – „Ehm, ja stimmt, gar nicht gut, sehr gefährlich. Ich hab ihn grad nicht gefunden und hätt ich noch länger gesucht, dann wären wir jetzt nicht unterwegs in die Badi und dann wären eure Freundinnen schon weg und für eine Glacé würde die Zeit dann gar nicht mehr reichen.“ Als Mama weiss man immer so ein bisschen, was man sagen muss, damit die Diskussionen dann nicht weitergehen…
Ja und dann gab’s vor kurzem die Situation, dass meine Tochter sich weigerte den „Scheiss-Helm“ aufzusetzen. (Ihre Worte, so was würd ich ja nie sagen, nur denken). Nicht fürs Velofahren, sondern fürs Waveboarden. (Ist so was ähnliches wie Skateboard, sonst bitte googeln). Sie könne es ja schon gut und niemand würde einen Helm tragen, ausserdem sei ihr heiss und überhaupt. Und ich würde zum Rollschulaufen ja auch keinen tragen. (Was man jetzt überhaupt nicht vergleichen kann, weil ich war mal Rollkunstlauf-Prinzessin war und die tragen nun wirklich keinen Helm).
Also, was sagt man da?
Hab alle Argumente runtergebetet. Von gefährlich und unberechenbar, Steinchen auf dem Weg bis hin zu Schädel-Hirntrauma, Sprachverlust und Rollstuhl. Einsehen wollte sie es trotzdem nicht.
Und da kam mir wie schon oft, YouTube zu Hilfe. Zuerst der „Nie ohne Helm: Risiko raus“ Film und dann noch der Wassermelonen Spot hinterher.
E voilà:

Nie ohne Helm – Risiko raus!

SUVA Werbung – Velohelm

Sie sagte nur: „Urgs.“ Zog den Helm an und weg war sie.
Ich guck die Filmchen jetzt amigs auch. Wenn ich ihn grad nicht finden kann, oder will.  So als Motivation. Dann klappt’s auch mit dem Helm.
*Scheissesiehtstrotzdemimmernochaus

Eine tolle Inovation gibt’s aus Schweden. Nicht ganz günstig allerdings.
Der „unsichtbare“ Velohelm. Eine Art Airbag.