Der Penis vor dem Haus

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Ja, der Titel ist vielleicht etwas verwirrend. Nicht dass ihr jetzt denkt, wir würden hier männliche Geschlechtsteile ausstellen oder gar abschneiden und vor die Türe legen. Um Himmelswillen, nein. Die Geschichte geht ganz anders, nämlich so:
Wenn es wieder wärmer wird, die Tage länger werden, sind die Kinder wieder viel mehr draussen und Fragen wie: „Darf ich noch ein bisschen Fernseh glotzen?“, werden deutlich weniger. Stattdessen fragen sie lieber: „Mama, dürfen wir noch ein wenig chriddele.“ (Was so viel heisst wie: Mit Strassenkreide spielen und zeichnen).
 

Gut. Sie nehmen dann jeweils das Plastikböxchen und ich freu mich immer auf viele tolle Zeichnungen vor und ums Haus. So was wie Blumen und Schmetterlinge, Osterhasen und Delfine. Ja und so haben sie auch an dem Tag gezeichnet und gezeichnet und wie immer wenn sie dann reinkommen : Schuhe, Hose, T-Shirt ausziehen, Füsse und Hände waschen. *ihrkenntdas
Ok, das verschmitzte Lächeln unserer jüngsten Tochter hat mich dann doch etwas stutzig gemacht. Und gekichert hat sie auch. Und immer wenn als Antwort auf die Frage: „Was habt ihr denn gemacht?“,  die Antwort: „Gaaaar nüüüüt“ (also: gaaaar niiiichts) kommt, ist das natürlich doppelt verdächtig. *ihrwisstwasichmeine
Ich brauchte gar nicht länger nachzufragen, weil nämlich die ältere Schwester, die immer alles genau rapportiert, zur Türe rein kommt und sagt: „Mama, di hei überall am Bode, Schnäbi häregmalt.“ (Übersetzt heisst das so viel wie: „Mama, sie haben überall auf dem Boden, Penisse hingemalt.“)
Meine erste Reaktion: Penisse? Auf den Boden gemalt? Urgs.
Meine zweite Reaktion: Ok, sie sind acht Jahre alt. Wenn die Penisse zeichnen, sieht wohl kein Mensch, dass es Penisse sind.
Trotzdem: Ich geh kurz raus. Nur zur Sicherheit, nur nachschauen.
Also: Es waren neun Stück. Also Penisse, gezeichnete. UND: Sie waren sehr gut erkennbar. Sie waren sehr deutlich als männliche Geschlechtsteile erkennbar.  Es gab auch noch drei Vaginas. Dumm auch, dass die Künstlerinnen *jaeswarenMädchen dann auch noch gleich ihre Namen daneben geschrieben haben. Leugnen wäre also zwecklos gewesen. Oh Gott! Das Kind der Internetnanny/Erziehungstante malt mit ihren Freundinnen Geschlechtsteile auf den Boden.
Und ich sage euch: Penisse überall im ganzen Quartier auch auf dem öffentlichen Durchgangsweg. Schluck. Ich mach mit meiner Tochter also den Rundgang durch die aussergewöhnliche Galerie und mache ihr natürlich laut und deutlich klar, dass ich den Gehweg für solche Zeichnungen, nicht grad unbedingt den richtigen Platz finde. Versuch es zu erklären, dass es ok ist Geschlechtsteile zu malen, aber das nächste Mal einfach besser auf ein Blatt Papier. Sie findet das schampar lustig. Erst als ich ihr den Ernst der Lage schildere und mit dramatischer Gestik erkläre, dass hier auch der Gemeindepräsident oder die Lehrerin durch marschieren könnten, sagt sie das ersteMal: „Uups.“ Und jedes mal, wenn ich wieder das Wort Schnäbi (also Penis) ausspreche, kichert sie wieder los.

Ok. Wir einigen uns, dass wir das so nicht stehen lassen wollen, holen die Gießkanne und löschen die Zeichnungen mit dazugehörigen Bildlegenden wie zum Beispiel: „Das ist der Penis von Tobias“ aus. *okeswarwirklichsehrlustig
Am nächsten Nachmittag dann, seh ich sie, wie sie mit voller Giesskanne um die Ecke verschwindet: „Ehm, was machst du denn jetzt?“ – „Also weisst du“, sagt sie ganz wichtig aber durchaus sachlich: „Da vorne beim Mäuerchen, sieht man noch einen Penis“.
Den von Patrick.
 
Und sie kichert. Und wie sie kichert.

 

  • Daniela Thonke

    *kicher* Herrlich!