“Also Mama, jetzt brauch ich dann schon langsam mal ein iPhone.” Das sagte unsere jüngere Tochter vor etwa einem Jahr mal zu mir. Sie ist jetzt acht. “Aha. Und warum brauchst du denn ein iPhone?” meine äusserst einfallsreiche Antwort. “Weil, ich dich dann anrufen kann, wenn ich mal zu spät bin.” Diese Erklärung ist ja gar nicht mal so schlecht. Was folgte war ein Mama-Monolog über Sinn und Unsinn des Handygebrauchs für eine Achtjährige.
Ok. Wir sind Technik Freaks. *washierallessorumliegt
Unsere Mädels haben jetzt einen iPod Touch, da kann man alles nötige damit machen, ausser telefonieren. Hörspiele und Musik hören, gamen, mailen und über Wifi Nachrichten schicken. z.B Wenn ich kurz beim Einkaufen bin fragen, ob Sie was Süsses dürfen (ja, sehr wohlerzogen sind sie) oder petzen, dass die Schwester in der Zeit am gamen ist. (inklusive Beweisfoto).
Ja und manchmal müssen sie halt auch was googeln: Ein Bild von Kim Possible zum Beispiel, das sie dann als Bildschirmhintergrund benutzen können oder einen Songtext oder Fragen wie: Was frisst ein Waschbär oder bei Google Maps das Haus der Brieffreundin suchen, sprich: ins Internet. Und das funktioniert mit dem iPod zum Glück ja nur übers interne Wifi. Und trotzdem fängt hier dann auch gleich das Problem an:
Wie kann ich kontrollieren, was Kinder im Internet schauen, machen, runterladen?
Antwort: Ich setz mich neben sie und schau ihnen zu.
Das ist aber im normalen Alltag nicht immer ganz einfach und wer will schon ständig neben den Kindern sitzen und zuschauen, was sie tun. Ausserdem nervt das die Kids ja auch.
Und hier setzt ein neues Angebot von Pro Juventute an. Ab dem 25. März gibt es in den Sunrise-Läden ein für die Schweiz bislang einzigartiges Prepaid-Angebot für Kinder: «Pro Juventute Primobile». Dieses Abo ermöglicht das stufenweise Zuschalten von Nutzungsoptionen, je nach Alter und Entwicklungsstand des Kindes. Damit soll sichergestellt sein, dass die Kinder bereits früh einen verantwortungsvollen Umgang mit neuen Medien lernen. So steht das im Pressetext und ich muss da natürlich auch noch ein bisschen meinen Senf dazu geben.
Grundsätzlich ist es ja sehr wünschenswert wenn sich Eltern mit den Dingen/Interessen/Medien ihrer Kinder auseinander setzen. Will heissen: Eltern sollen wissen wie, wo was läuft und wie es funktioniert. Wenn sie es nicht wissen, sollten sie es sich erklären lassen (googeln kann auch eine Möglichkeit sein) oder dann auch mal die Kinder direkt fragen: “Du, zeig mir mal wie du das machst, wie das funktioniert.” Die grösste Gefahr geht nämlich nicht nur vom Internet aus, sondern vom Unwissen der Eltern dem Internet gegenüber. Wie soll ich meinen Kindern ein vernünftiges Verhalten beibringen, wenn ich selber nicht kapiere worum es geht? Und ja: Das ist anstrengend. Immer so ein bisschen auf dem neusten Stand zu sein, zu recherchieren und zu wissen welche Plattform, welche Apps und welche Spiele gerade “in” sind und wie sie funktionieren. *achjafrüherwaralleseinfacher
Trotzdem: Das ist unser Job. Als Eltern kommen wir nicht darum herum. Nur wenn wir Interesse zeigen (auch wenn es uns eigentlich nicht wirklich so interessiert), können wir mit unseren Kindern vernünftige Lösungen, Abmachungen aushandeln. Kontrollieren gehört dann natürlich dazu und wenn Regeln nicht eingehalten werden, braucht es Konsequenzen. Das Gerät ein paar Stunden einziehen, gewisse Apps und Anwendungen eine kurze Zeit löschen, blockieren. Dann aber wieder rückgängig machen. Schliesslich möchten wir, dass die Kids lernen damit umzugehen und die Regeln einhalten.
Was ich komplett verbiete, das reizt einen nur noch viel mehr und man sucht Mittel und Wege um es sich irgendwo zu beschaffen. *undKindersindjanichtdoof
Ein eigenes Handy zu haben, das nur 4 wählbare Telefonnummern hat und mit dem man nicht surfen kann ist etwa genau so interessant wie jeden Tag ein Hardcore-Vollkornznüni mit Dinkelschrotbrot, Hüttenkäse und Bio. Gurken in die Schule mitnehmen zu müssen. Dann nehmen die Kids das Schoggibrötli halt vom Schulkameraden. *gehtjaauch
Will heissen: Irgendjemand wird ein Handy haben mit dem man alle diese eingeschränkten, verbotenen Dinge tun darf. Und das ist dann besonders interessant und man kann dann selber nicht damit umgehen, weil man es ja nicht gelernt hat und das eigene Handy für das alles gesperrt ist.
Und wer jetzt mit dem Argument kommt, dieses Angebot sie ja eher für Kinder zwischen 8 und 12 Jahren geeignet, nicht in erster Linie für Jugendliche, dem möchte ich dann doch gerne die Frage stellen:
Wozu um Himmelswillen braucht ein Kind eigentlich ein Handy?
Ich hab mir die Frage nämlich auch schon oft gestellt und eigentlich nur folgende Antwort gefunden:
Wenn ein Kind einen dreistündigen Schulweg hat, über unwegsames Gelände laufen muss, wo es stürzen und sich das Bein brechen könnte. Ein Weg, auf dem gefährliche Tiere lauern, es kein einziges Haus hat und auf dem kein einziger erwachsener Mensch vorbei kommt.
Ja dann, dann würd ich meinem Kind wahrscheinlich ein Handy kaufen.



