Wie wird man eine Supermom?

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Wenn man, so wie ich, so ein kleines bisschen in der Öffentlichkeit steht und dazu dann noch immer wieder schlaue Erziehungstipps gibt, steht man sofort unter dem Verdacht:
„Bei der läuft sicher immer alles super. Die hat ihre Kinder total im Griff, die macht nie was falsch, kocht immer gesund und ist so was wie die Schwester von Supermom.“

Mit diesen Vorurteilen möchte ich heute mal so ein bisschen aufräumen.
Zuerst muss ich aber etwas ausholen.
Also.

Wann ist man denn eine gute Mama?

Wenn man 6 Monate gestillt hat?
Das Kind schon nach 3 Wochen durchgeschlafen hat?
Man ins Mutter und Kind Turnen, Schwimmen, Tanzen, Basteln gegangen ist?
Wenn man den Kindern nur Gesundes vom Biomarkt auftischt, bei Wind und Regen mit den Kids im Wald Tannzapfen sammeln geht, an Kindergeburtstagen stets ein Motto hat und jedes mal noch eine Kinderschmink- und Bastelorgie veranstaltet?
Auch in der Nacht die lieben Kleinen neben sich und dem Mann schlafen lässt. Seit der Geburt der Kinder nie mehr ohne sie etwas unternommen hat?
Oder ist man eine gute Mutter, wenn man zwischendurch weg ist von den Kids, arbeiten geht, sich mit Freundinnen trifft, sich mal ein Wochenende mit dem Partner gönnt, wenn man genau so gern ins Fitness geht, wie auf den Spielplatz, zum Znüni auch mal eine böse Milchschnitte einpackt, mit den Kindern am Sonntag mal einen Film schaut, anstatt aus selbst gemachtem Salzteig Äpfel und Birnen zu formen, das Zimmer der Kids nicht aufräumt, weil man findet, das sei nicht die Aufgabe der Mutter oder gar nicht traurig ist, wenn das Kind mal wieder bei der Freundin übernachtet.
Hmm, schwierige Frage was?

Wer legt denn eigentlich fest, was gut ist und was weniger?

Genau:
Wir selber. Und ganz wichtig scheint mir dabei nicht nur die Frage nach dem:
„Was tut denn meinem Kind gut?“, sondern auch:
„Wie geht es MIR dabei?“
Natürlich tut stillen gut und wer kann und Lust hat, sollte es tun. Aber wenn man ein unersättliches, brustfressendes, nimmersattes, ständig hungriges Baby hat, das einfach nicht genug bekommen kann, dann sollte man vielleicht in Betracht ziehen auch mal einen Schoppen nachzufüttern.
Klar sind Bastelgruppe, Mutter-und-Kind-Turnen, Waldspielgruppe und Kindertanz prima, aber wenn man deshalb ständig nur noch unterwegs ist und kaum mehr zur Ruhe kommt, dann sollte man eine dieser tollen unbedingt Aktivitäten weglassen.
Selbstverständlich mögen Kinder Hexen- oder Prinzessinnen, Piraten- oder Räuber Geburtstagsparties. Sie mögen auch basteln und Kuchen essen und schminken und Spiele machen und Ballonwettfliegen und Ponyreiten. Wenn aber der Kindergeburtstag eine 3-monatie Planungsphase mit sich bringt und man nach der Party, erst einmal das Haus renovieren und sich auch noch gleich zur Kur anmelden muss, dann sollte man vielleicht einfach nur einen Kuchen backen, zwei, drei Spiele machen und dann einfach die Verkleidungskiste hervor nehmen und ein bisschen Rihanna laufen lassen und die Mädels haben genau so ihren Spass.
Ihr wisst worauf ich hinaus will.
Kinder haben, Eltern sein, besteht nicht aus der totalen Selbstaufgabe.
Kinder sollen Spass haben, viele Dinge tun dürfen, aber genau so soll es auch den Eltern Spass machen (ihr habt Recht, das ist nicht immer so). Und damit es das tut, muss man immer mal wieder so ein bisschen die Bremse ziehen. Sich auch auf seine eigenen Bedürfnisse besinnen und sagen:
„Stop, halt, Moment. DAS wird mir jetzt zu viel.“

Aber wenn man es gerne tut?

Wenn man doch am Liebsten 24 Stunden mit den Kindern zusammen ist (auch jede Nacht), also wenn man der Meinung ist, das Bett sei ja längstens gross genug ist für drei oder vier Menschen. :-)
Ich finde es wichtig, dass man sich trotzdem ab und zu fragt, warum das so ist.
Ob man seine eigenen Bedürfnisse nicht ein bisschen aus den Augen verloren hat?
Ob das Kind vielleicht auch mal Freude hätte ohne Mami oder Papi zu sein, vielleicht auch mal bei Oma übernachten könnte und ob es nicht ausgeschlafener wäre, wenn es alleine in seinem Bett schlafen würde?

Wenn man alle diese Fragen mit einem: „Nein-so-wie-es-ist-ist-es-nicht-nur-fürs-Kind-sondern-auch-für-mich-meinen-Partner-UND-unsere-Ehe-am-besten“ beantworten kann, dann sollte man es GENAU SO lassen.

Man kann unterschiedlicher Meinung sein, wie viel Engagement es für die Kinder braucht. Ich finde nicht unbedingt die Quantität wichtig, also nicht wie lange und wie viel unglaublich pädagogisch wertvolle Zeit man mit den Kindern verbringt.
Wichtig finde ich viel mehr die Qualität. Also immer wieder während des Tages wertvolle Zeit geben, wenn das Kind etwas fragen, etwas zeigen will. Den Staubsauger mal kurz ausschalten, den Haushalt mal kurz sein lassen und zuhören, das iPhone weglegen und sich zusammen kurz hinsetzen und einfach da sein. Und ich bin auch eine absolute „Mamas-brauchen-auch-ihre-Pausen“ Aktivistin. Es ist viel einfacher in der Erziehung ruhiger und gelassener zu sein, wenn man seine Bedürfnisse nicht total vernachlässigt.

Um auf den Anfangsverdacht zurück zu kommen:
Nein. Ich bin nicht Supermom, auch nicht Supernanny.

Ich bin manchmal genau so eine „verzweifelte“ Mama wie ihr alle auch. Ich bin manchmal drauf und dran meine Kinder mit dem Kleber „gratis abzugeben“ vor die Türe stellen.
Manchmal drohe ich auch mit Fernsehverbot (die dümmste Drohung, ich weiss).  Manchmal lass ich meinen Wäschekorb, geschlagene 3 Wochen rumstehen, bevor ich nur ans Bügeln denke. Manchmal würd ich auch einfach gerne mal so 5 Wochen auf eine einsame Insel ziehen, natürlich ohne Kinder. Manchmal bin ich ungerecht und benehme mich ganz und gar nicht nach dem Erziehungsbuch.
Aber wisst ihr was:
Das ist gut so.

Ich glaube man muss so sein, damit man spürt wo man seine Grenzen hat.

Man muss so sein, damit die Kinder manchmal auch spüren:
„Hey, Mama ist jetzt heute mal nicht so gut drauf.“

Und man muss so sein, damit man nicht zu hohe Erwartungen an sich selber hat und manchmal IST man einfach so:
Weil Kinder haben zwar verdammt schön, aber auch verdammt anstrengend ist.

  • Liebe Kathrin,

    vielen Dank für deinen Kommentar unter meinem Supermutti-Artikel von http://www.networkingmom.de
    Sonst hätte ich deinen Blog vielleicht erst sehr viel später kennen gelernt. Ein sehr schöner Artikel zum Thema „Supermütter“. Ich werde dann mal weiter durch deine Blogartikel stöbern.

    Viele Grüße,
    Sophie aus Berlin

  • Melanie H

    Sehr schöner Bericht!! Das nimmt den Druck von vielen Eltern, die meinen immer perfekt sein zu MÜSSEN. So können sie vielleicht auch mal ein ruhiges Gewissen haben und auch mal einen Gang runter schalten.
    Ich bin auch keine super Mami !! Meine Tochter schläft jede Nacht bei mir im Bett… sie ist 7 Monate alt… weil ICH mich dabei besser fühle.
    Ich liebe meine Tochter soooo unglaublich aber auch ich kenne die Zeiten wo ich ihr ein Schild um den Hals hängen möchte : Zu verschenken, ich gebe noch 50 € obendrauf.
    Aber dann geh ich kurz aus dem Raum. Ich hole ganz tief Luft.
    Wenn ich wieder zu ihr gehe (nach 2 Minuten ungefähr), dann seh ich ihr immer in die Augen und fange an zu lachen.
    Ich liebe diese Momente. Sie gehören einfach dazu. Und es kann mir keiner sagen das es ihm noch nie so gegangen ist :D …

    Aber trotz alle dem weiß ich eins : Ich liebe meine Tochter, ich bin eine gute Mutter und ich weiß meine Tochter liebt mich über alles. Und das ist doch was zählt. Lg ;)

  • Claudia

    He du hast so was von gut geschrieben…es geht mir genau gleich!!! Und ich liiiiiebe meine Kinder und denoch freue ich mich jeweils seeeeehr meinem 40% Job im Spital nachzugehen um mich dann wieder auf meine Kids zu freuen!!!

  • Ob ich eine Supermom bin? Lest dazu meine Glosse:

    Das Bastelgen

    Frauen haben bekanntlich zwei X-Chromosome, Männer ein X- und ein Y-Chromosom. Es muss an diesem zweiten X liegen, dass wir das Staubsaugen, Fensterputzen, Badezimmer nass auswischen und Bettenbeziehen mit Inbrunst und Liebe verrichten. Zumindest glauben die Träger des Y-Chromosoms das. Damit hatte ich mich im Laufe der Jahre zwar nicht kampflos abgefunden, doch war mir dieser seltsame Irrglaube zumindest bekannt. Seit der Geburt meiner Töchter schlich sich allerdings eine neue Schikane ein: Jedermann und jede Frau glauben, nur weil ich Mutter bin, hätte ich ein Bastelgen in mir. Nicht genug, dass mein Herzallerliebster davon ausgeht, dass ich problemlos das Haus mit den Kindern frühlingshaft oder weihnachtlich umgestalten kann. Nein, auch meine eigenen Geschlechtsgenossinnen basteln was das Zeug hält und flößen mir ein kontinuierlich schlechtes Gewissen ein. „Was, Du bastelst nicht gerne?!“ Entsetzte Blicke treffen mich, wenn ich meine Abneigung offen gestehe. Ich kaufe mich regelmäßig durch Geldspenden von Bastelabenden im Kindergarten frei. Obwohl Euros für die Kleber, Papiere und Moosgummis dringend gebraucht werden, verhindert dies nicht, dass ich immer tiefer im Ansehen der anderen Mütter sinke. Unsere Erzieherinnen animieren die Kindergartenkinder, sich zu Geburtstagen und an Weihnachten Bastelbücher zu wünschen. Dies fordert anscheinend die Kreativität und Feinmotorik der Jüngsten und ist daher ein durchaus lobenswerter Ansatz. Aber wer denkt an die verheerenden Auswirkungen für die bastelmäßig unbegabten Mütter? Damit meine Kinder nicht zu Außenseitern werden, bestellen aber natürlich auch wir in jeder anstehenden Bücherbestellrunde ein Exemplar mit. Meine Mädchen schleppen daheim dauernd die neuen farbig bebilderten Anleitungen, Scheren, Kleber, Krepppapier und Glitzerstifte an und sind maßlos enttäuscht, dass ich zum einen nicht gerne und zum anderen keinesfalls „gut“ bastle. „Hast Du heute Nachmittag Zeit?“ Auf diese harmlos aussehende Frage antwortete ich früher ahnungslos mit „Ja“, wenn ich keine Termine hatte. Seit dies bedeutet, dass ich „Bob der Baumeister“ mit Window Color und ohne jegliche Vorlage malen, Knetmasse selbst anrühren, helle und dunkle Salzteige herstellen oder Raupen aus leeren Papierrollen basten muss, bin ich deutlich vorsichtiger mit meiner Reaktion. Ich lese wirklich gerne Geschichten vor, mache lustige Karten- und Brettspiele mit den Kindern, erschaffe in filigraner Kleinarbeit Legowelten, tobe im Garten herum – das alles zählt nicht. Mir haftet der Bastelmakel an. Dass ich an der Universität Studenten Wirtschaftsenglisch beibringe und mit den Fußballstars dieser Welt souverän verhandle, ist sowieso absolut unbedeutend. Vielleicht werde ich den bekannten deutsch-amerikanischen Ex-Fussballstar und Trainer beim nächsten Mittagessen fragen, ob er nicht mit mir aus den Papierservietten kleine Schmetterlinge basteln möchte. Ich muss üben!

  • Melanie

    Kathrin,du hast es wieder mal auf den Punkt gebracht! Kann dich voll und ganz bejahen! Also deine Ansichten;-)
    Deshalb plan ich jetzt gleich meinen nächsten ausgehabend! Jawohl!

  • ich glaube ne „supermami“ gibts nicht… jeder ist mal genervt oder verweigert irgendetwas is doch normal die kleinen racker haben manchmal ein ausgeptägtes talent dazu im richtigen moment zu nerven :D

  • Papagei

    Du sprichst mir aus der Seele… nur die Umsetzung fällt mir manchmal oder sogar sehr oft noch verd…. schwer!

  • Danke für ein Lächeln am Morgen – „mit dem Kleber ´gratis abzugeben´ vor die Türe stellen“, das ist schön geschrieben. Supermom sind eh immer nur die Anderen! ;)