Du bist mein Lieblingskind

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Der Artikel über Lieblingskinder in der Sonntagszeitung hat mich grad dazu gebracht, zu diesem Thema auch mal meinen Senf dazu zugeben.
Hab ich ein Lieblingskind? Bevorzuge ich ein Kind mehr als das andere? Wenn ja, wieso?
„Neeein“, denkt man da im ersten Augenblick natürlich sofort. So was ist doch unmöglich. Und noch wenn es so wäre, so was würde man doch auf gar keine Fall öffentlich zugeben. Man liebt doch beide Kinder absolut total genau gleich, oder? Hmm.

Die Grundliebe ist glaub ich bei den meisten Eltern gleich. Man liebt sie beide oder alle drei oder vier, und trotzdem könnte man manchmal ein Kind noch ein bisschen mehr auf den Mond schiessen als das andere. Ein paar Beispiele gefällig?

 

Ich mag Kind Nr. 2  ein bisschen lieber, wenn Kind Nr. 1 z.B:

Mein sorgsam zubereitetets, total gesundes Essen, mit Wörtern bezeichnet, die ich hier nicht zitieren möchte.
Ein total verschimmeltes Pausenbrot in der Sporttasche liegen gelassen hat.
Wir unnötig laut streiten und sie mich beschimpft, weil ich wieder mal das Chaos im Zimmer beanstandet habe,
oder allgemein das Gemotze , der sehr laut und sehr unerträglich ist.

Ich mag Kind Nr. 1 ein bisschen lieber, wenn Kind Nr. 2 z.B

Grad mal wieder einen „Schnüerlischrift“ (Schulschrift) – Anfall hatte.
Das Blockflöte Üben mal wieder zum Kampf ausarte
Die Aufforderung die Jacke aufzuhängen einen Tobsuchtsanfall mit sich zieht,
oder das Wasserfarben-Wasser im Zimmer ausgeleert ist.

Der ganz normale, tägliche Wahnsinn. Und es ist meistens immer schön gleichmässig verteilt.
Mag ich am Montag mal so ein bisschen Kind Nr. 2 lieber, dann liegt meine Sympathie am Mittwoch ganz klar bei Kind Nr. 1. Meine Sympathien wechseln sich ab. Und das ist glaub ich ganz normal und passiert immer mal wieder.

 

 

Manchmal aber, fragen mich Mütter, was man tun kann, wenn man schon seit Geburt an, ein Kind einfach immer ein bisschen weniger gerne mag, wenn die Bindung zu einem Kind (oft zum jüngeren) einfach ein bisschen stärker  ist? Wenn man ein Kind einfach ein bisschen lieber in den Arm nimmt als das andere? Kinder haben ganz feine Antennen und spüren das, auch wenn man sich noch so sehr bemüht, gerecht und gleich liebevoll zu sein. Kinder, die absichtlich oder unabsichtlich zurückgewiesen oder weniger geliebt werden, benehmen sich dann oft daneben, man muss mehr schimpfen, sie noch mehr zurückweisen – ein Teufelskreis.

Was kann man tun?

Sicher mal versuchen, sich keine Schuldgefühle zumachen, sondern lieber der Ursachen auf den Grund zu gehen. Leichter gesagt als getan, ich weiss.
Ist irgendwas in der Schwangerschaft passiert? Eine Fehlgeburt, vielleicht ein Todesfall, der Mann ist fremdgegangen oder war’s eine schwere Schwangerschaft eine traumatische Geburt? Es gibt viele Ursachen, warum man zu einem Kind eine weniger starke Bindung hat, als zum andern. Wenn man weiss warum, dann kann man sich dem Problem vielleicht ein bisschen besser stellen und das schlechte Gewissen ist dann auch etwas weniger gross.

Viel Lob, Anerkennung und Motivation trägt ganz viel zu einer guten, positiven Beziehung bei. Was auch hilfreich sein kann, wenn man sich eine Beschäftigung sucht, etwas das man zusammen machen kann, wie schwimmen gehen, ins Turnen, Musikgruppe.

Ich denke, dass es schwierig ist, einfach nur zu hoffen und zu warten dass es besser wird. Manchmal braucht es Hilfe von aussen, jemand der unabhängig ist, die ganze Situation von aussen betrachtet und ganz unbefangen Tipps und Anregungen geben kann. Das kann eine Therapeutin sein, muss aber nicht. Manchmal hilft auch einfach nur der Austausch mit Gleichgesinnten, mit Müttern oder Vätern, denen es ähnlich geht oder die auch einen Weg da raus gefunden haben. Hören und lesen, dass es Anderen ähnlich geht oder ging und dass man sich dafür auch nicht zu schämen braucht.

Wie sind eure Erfahrungen/Meinungen dazu? Fühlt ihr euch einem Kind manchmal auch ein bisschen näher als dem anderen? Habt ihr ein Lieblingskind?

  • Alexa

    Hallo, sehr spannend. Der Satz „man sollte wirklich versuchen bei 2 oder mehr Kinder sie immer gleich zu mögen“ ist einfach gesagt….
    Wir leben eine Patchworkfamilie, diese Herausforderung ist nicht immer einfach. Mein Mann versucht ganz fest, meinen ältesten Sohn -nicht sein leiblicher- gleich zu mögen wie unsere gemeinsamen Kleinen. Aber manchmal kommt so viel Ablehnung und Einfluss von aussen vom Ältesten, dass die Gefühle nicht steuerbar sind. Wir versuchen ganz fest, alle Kids gleich fair zu behandeln, was von ihnen natürlich nicht so empfunden wird (der eine darf länger aufbleiben, der andere hat das coolere Ämtli…). Auch ich merke manchmal, dass mir z.B. die direkte Art des Jünsten näher liegt als die Verschlossene des (äusserst süssen) Mittleren. Aber ich bin überzeugt, dass in meinem Herz jedes Kind gleichviel Platz zur Verfügung hat, nur kommt sie vielleicht bei jedem etwas anders zum Ausdruck…….

  • Ganz ehrlich mir ist das auch schonmal passiert das ich in Gedanken das eine Kind mehr gemocht hab als das andere. Kinder entwickeln sich unabhängig und manchmal ist es nunmal so das einer der beiden einfach einen solchen Blödsinn macht das man gedanklich durchaus das andere Kind bevorzugt. Trotzdem würde niemals eines meiner Kinder dies spüren lassen.

  • beim 2ten Thema denke ich mal Religionshintergrund ,Mentalität des Landes warum Jungs bevorzugt werden gegenüber Töchter aber da halte ich mich lieber raus ;)

  • ja gebe ich dir Recht mit dem Alleinerziehen und schwer hab aber immer Angst wenn ich mal was sage das es falsch aufgenommen werden könnte, aber wenn ich dann sehe wie der „bevorzugte Kleine“ dann seine Mutter um den Finger wickelt und die Schwester ärger bekommt weil der kleine sagt die wars finde ichs garnet gut wenn sie es nicht merkt

  • Interessante Frage. Gerade bei den Elternteilen, die wirklich und ständig ein Kind bevorzugen oder sich auch eingestehen, dass sie ein Kind mehr lieben als das andere. Welchen Grund gibt es dafür? Das Geschlecht? Das Aussehen? Das Verhalten?

  • Wenn du es von aussen schon merkst, dann ist das wohl schon ein bisschen weiter fortgeschritten. Allerdings muss man dazu auch sagen, dass es gerade als Alleinerziehende wirklich saumässig schwer ist, allen gerecht zu werden und die Liebe wirklich immer gleichmässig zu verteilen. So viele Dinge, die man tun muss, muss man alleine machen. Niemand, der einem mal etwas abnimmt oder einem auch mal ein bisschen den Spiegel vorhält. Das ist wirklich eine ganz anspruchsvolle Aufgabe.

  • Denke auch mal das manche „Väter“ eher zu ihrem „Stammhalter“ (Junge) halten/bevorzugen könnten besonders denke ich mal wegen „Religionshintergrund“ zb Islam stärker als anders wo

  • ich sehe es halt als „Aussenstehender“ bei der Nachbarin (Alleinerziehend), bei meinen 2 Töchtern wars fast auch so und ich habe dann immer zu der nicht so beliebteren Tochter gehalten habe

  • Da geb ich dir Recht. Ich denke jedoch, dass sich Eltern das manchmal auch nicht so bewusst sind. Man ist so mit allem beschäftigt, dass man „Ungerechtigkeiten“ gar nicht so wahr nimmt. Ob das Männern manchmal auch so geht? Dass sie heimlich ein „Lieblingskind“ haben?

  • twitter_Bluemerlo

    hi man sollte wirklich versuchen bei 2 oder mehr Kinder sie immer gleich zu mögen. Sehe es grad bei Nachbarin die nr2 (Sohn 2,5 jahre) nr1 (Tochter 6,5 jahre) bevorzugt was Streit /Eifersucht fördert
    lg Klaus